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Full text of "Wohnstädte der Zukunft : Neugestaltung der Kleinwohnungen im Hochbau der Grossstadt"

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Digitized by the Internet Archive 
in 2016 


https://archive.org/details/wohnstadtederzukOOfrie 


SBotynftäbte bet 3ufcunft 



®oftn(töDMcy£i^ 


2teugeftaltuug 5er Slern? 
too^rtungen tm £>od)fmu 
5er ©rofjftaöt 

von 

£jeinricf) be gties 


19 19 


25 c r 1 a g öer „SBau ro c I t", S8 e t I i n 














Wilhelm Schäfer 

in Verehrung zugeeignet. 



Ideenskizze meiner West-Oststrasse 


Vorwort 


T Vorliegende Arbeit mag als ein ernsthafter Versuch angesehen 
V werden » für die Menschen der Großstadt Wohnstätten zu schaffen , 
die in wesentlichsten Punkten Erfüllung bedeuten , Utopien ver- 
wirklichen sollen. 

Ein solcher Schritt , zuversichtlich hingewendet zu einer höheren 
Wirklichkeit der Zukunft , muß notwendig von den Voraussetzungen 
der Vergangenheit entfernen . Dies um so mehr , a/s der gegenwärtige 
Zustand des Wohnwesens der Großstadt — Endergebnis einer langen 
und keineswegs lobenswerten Entwicklung — kaum mehr bietet, 
was für den Aufbau der Zukunft verwendbar sein dürfte, als eben 
die späte aber desto sicherere Erkenntnis der vollkommenen Unzu- 
länglichkeit des Bestehenden und das Wissen um die zwingende 
Notwendigkeit ihrer endgültigen Beseitigung. 

Was aus den Trümmern eines zusammengebrochenen Systems 
hervorwachsen würde, darf nicht tatenlos abgewartet werden. Der 
Umfang der Aufgabe schließt nicht weniger in sich , als eine Neu- 
gestaltung der großen Stadt unserer Zeit . Ihre so grundlegende 
Bedeutung für den Aufbau künftiger Geschlechter muß das Aus- 
maß der Verantwortlichkeit derer umschreiben, die sich durch 
Zwang, durch Beruf, durch eigenen Willen diesen vielfach ver- 
knüpften Fragen gegenübergestellt sehen. 

Es sei unumwunden ausgesprochen , daß es sich hierbei nur 
in zweiter Linie um rein bautechnische Aufgaben handeln kann. 
Die reichen und wertvollen Erfahrungen der Bauwissenschaft 
können erst zur Anwendung kommen, wenn der Grundgedanke 
einer Anlage feststeht, seine organische Gestaltung gefunden ist 
Gleiches gilt von den Fragen der künstlerischen Form . Die vor- 
liegende Arbeit konnte demnach diesen Dingen nur insoweit 
Beachtung schenken, als sie zur Klarstellung des Grundgedankens 
benötigt wurden. Maßgebend war vor allem die Absicht , Möglich- 
keiten einer Umgestaltung des gro ßstädtischen Wohnwesens in ihren 
Grundzügen und weittragenden Folgerungen aufzuzeigen. 


7 


Eine spätere Zukunft erst kann erweisen , ob dieser Versuch 
dazu beitragen wird, eine Utopie zur Wirklichkeit zu erheben, die 
sich aus der leidenschaftlichen Anteilnahme weitester Kreise der 
Bevölkerung immer klarer und immer aringlicher heraus formt 
Den Zwei fl rn und den eifersüchtigen Bewahrern des Ueber- 
kommenen, den Verteidigern de * Unzulänglichkeit des Bestehenden 
sei — in einer Frage von unzweifelhaft großer Bedeutung — mit 
Wilh lm Schäfers Glaubenssatz aus seinem „Lebensabriß (i geant- 
wortet: Daß irgendwie in solchen Dingen selbst ein Narr, der 
Großes will, rühmlicher ist vor Gott und den Menschen, als ein 
Kluger, der bänglich ausweicht 

Berlin, November 1918. H, de Fries . 


8 


I. Seil. 


©rimbfät$licf)e Cfrtöäcumgen 
gurn ßleintoo^nungsproblem ber ©rojgftabt. 

(Einleitung. 

Die oollfommene Unsulänglicßteit großftäbtifcher VSohnoerhältniffe 
natßmeifen 311 mollen, barf Ijeute als ein überflüffiges beginnen gelten. 
© ie ift für eine breite Deffentlüßfeit felbfinerftänblidje unb allgemein* 
gültige Vorausfeßung. 2 luf ihr bemegen fid) oielfache Erörterungen, 
bie in ber Dages= unb gacßpreffe immer lebhafter fid) mieber3ufpiegeln 
fdjeinen. Slaum mehr oerget)t ein Dag, an bem nid)t bie .Seitungen 2 Iuf- 
fäße non Sudjleuten, Mitteilungen unb gorberungen, neue ftatiftifcße 
Angaben, Vericßte non bet)örblid)en Verfügungen unb praftifcßen Maß* 
nahmen bringen. 

Saft ausfd)Iie^(irf) befaßt fid) biefe öffentliche 2luseinanberfeßung 
mit jenen ernften Vebenfen unb Vefürcßtungen, bie in ber geringen 
Saßl ber nerfügbaren 5 Ueinmohnungen begrünbet liegen, meit meniger 
mit ber Srage nach ihrem 2 ßert. Die unbebingte 9 totraenbigfeit, bie 
s 2tn3ahl ber SUeinmohnungen in ben großen ©täbten fo ftarf mie mög* 
lid) unb fo fdjnell mie möglich 3U oermehren, führt 3U einer Steiße non 
Maßnahmen, bie fid) in 3tnei ©ruppen teilen laffen: erftens Stotmaß* 
nahmen (Venußung norhanbener Vauten burcß SBoßnungsteilung, 
Freigabe non Dad)= unb Steilermohnungen, Umbau non ßäben 3 u 
5öot)n3meden, Errichtung non Varaden u. a. m.), gmeitens ©djaffung 
neuer ^Bohnungen, ein Veftreben, bas in ber 5 )auptfad)e in nacßbrüd* 
lieber Unterftiißung bes Sfa<bfiebelungsbaues fich äußert. 

Es fteht gan3 außer SJrage, baß bie mit großem Stadjbrud betriebene 
Sörberung ber gtacßfiebelung unb in ihrem ^Rahmen bes Einfamilien* 
haufes einen feßr hoch 3U bemertenben Sortfdjritt bebeutet. Es ift auch 
nicht 3u be3toeifeln, baß in ber ©egenmart ftarfe gefühlsmäßige ©trö* 
mungen in allen Greifen ber Veoölferung biefen Veftrebungen feßr ent* 
gegenfommen unb rechtfertigen, giir eine ©roß ft abt non ben 
Ausmaßen Verlins märe nichts münfdjensmerter, 
als f i e mit einem franse non ©tebelungen 31t um- 
geben, ber möglichft auch n 0 <ß meit in bie unmittel- 
baren Vororte ber Sliefenftabt übergreifen müßte. 


9 


©ben bis 311 öer ©rense, bie ber Anlage oon glachfiebelungen burd) bie 
mirtfd)uftlichen Bebingungen unb ben eigentlichen ©^arafter ber ©rofy= 
ftabt notmenbig gefcfet finb. 

Syrern innersten 2Befen nach bebeutet bie ftarfe glachfiebelungs- 
bemegung nichts als eine gemaltige ©egenmirfung gegen bie 311= 
nefjmenbe Un3u(änglid)feit ber ©rofsftabtmohnungen, nichts als einen 
DJlaffenproteft gegen 2Bohnformen, bie allen gefunbheitlich, mirtfchaftlich, 
fo3ial berechtigten Btinbeftforberungen $)ol)n fprechen. BMr hatten bie 
6iebelungsbemegung nicht, menn bie 2 Bol)noerhältniffe ber ©roftftabt 
nicht fo oöllig unsulänglicf) unb fo fehlest mie irgenb möglich mären, 
©s ift nielleicht nützlich, biefen Urfprung einer Bemegung 3U betonen, 
beren nicht einmanbfreie Schlagmortpropaganba \)kx nur geftreift 
merben foll unb beren tatjächliche ©rgebniffe unb Btöglichfeiten fehr 
iiberfchä^t merben, mährenb fie oerhältnismäfpg hoch, im gan3en genom- 
men, nur eine geringe Befjerung bringen fönnen, fomeit bie grofee 
OJlaffe ber ©rogftabtmenfchen in grage fommt. Daft fich Befjörben 
unb 2 lrchiteftenfchaften, baft fich bie menig urteilsfähige Blaffe bes 
Bublifums fo fehr ben glachfiebelungsibeen suneigt, ift 3U einem Seil 
mohl ber 2lusbrucf eines gefunben ©mpfinbens für bas, mas not tut, 
3 um anberen Seil aber 2 lusbrucf ber Ueber3eugung, baft an ber be= 
ftehenben Un3ulänglid)feit ber großftäbtifchen Sßohnmeife trofe aller 
Bemühungen 5 öefentliches nicht geänbert merben fönne, baß nur ber 
2 lusmeg bleibe, Bettung auf einem anberen ©ebiete unb in einer 
anberen 2 Bof)nform 3U erftreben. Das ©infamilienhaus ber Slad) 5 
fiebelung aber fann aus einleuchtenben mirtfchaftlichen ©rünben in 
feinen ^lächenausma^en, feiner Baum3ahl unb ben entfprechenben 
Blietpreifen, unter Berücffichtigung ber Berfehrsfoften unb bes 
oerluftes auf bem 5 Bege oon unb 3ur 2lrbeitsftätte nur für ben geringen 
Seil ber mirtfchaftlid) oerhältnismä^ig günftig geteilten Beoölferung in 
Betracht fommen, menn bie ©iebelung eben nicht als Sßotjnftabt einer 
3 nbuftrieanlage meit 00m 6tabtfern entfernt auf billigem Boben 
errichtet merben fann. 

♦ 

Das Sßohnungsproblem bes feften Snnenferns ber eigentlichen 
©roftftabt fann burch gladjfiebelung niemals gelöft merben. 2lbgefef)en 
oon ben fragen ber Berfel)rsfon3entration, ber Häufung gemerblichen 
Baumanfpruchs unb anberer Umftänbe mehr ift für bie Unmöglichfeit 
ber ©iebelungsanlage entfdjeibenb ber Bobenpreis in ben 3nnenbe3trfen 
ber ©roßftabt. Biemals mirb fich &ie Satfache aus ber 2 Belt fdjaffen 
laffen, bag an 6ammelpunften bes ^anbels* unb Berfehrslebens bie 
S 2lusnü^ung eines ©runbftücfes meit f>öf>erc ©rgebniffe 3U 3eitigen 
oermag, als in ben 2fu^enbe3irfen bes ©roßftabtringes. ©s märe ein 


10 


cmsfichtstofes Unternehmen, fo!d)e in fid) begrünbeten Xatfadjen burd) 
getoaltfame Maßnahmen aus ber Wett fdjaffen au toollen. *8enoiefen 
fei hier auf bie rechnenden !Rad)tDeife, bie ©eorg $)abertanbt in feiner 
Schrift „Die Wohnungsoerforgung nad) bem Kriege" geführt hat. Er 
meift nach, &aß ^erabaonung ©roß=5Berliner Saublöde gleid)bebeutenb 
fei mit einer entfprechenben Steigerung ber Mieten au unerfchtninglichen 
Beträgen, fo baß auf biefem Wege nur ein ber 2lbfid)t entgegengefeßtes 
Ergebnis an eraieten fei: ftatt 2$efferung ber Wohnoerhättniffe ihre 
bebeutenbe SBerfdjtechterung, bie bis anr SSerhinberung ber Wot) s 
nungsherfteltung überhaupt an führen nermag. 3ft nach biefen 2lus= 
führungen eine niebrige ober gar flache 2kutoeife ausgefcßtoffen, fo roirb 
ihr (Ergebnis beftütigt burch Unterjuchungen, bie in einer bemerfens= 
merten Schrift aus bem 3aßre 1914 (Seopolb SJleinarbus: „Die 
Xerraintechnif") oorgenommen toerben. Der 5Berfaffer ftellt bie XaU 
fachen ftar, baß beifpietsmeife bie Abtretung oon Straßentanb in ber 
©roßffabt ungefähr 37,5 pEf. ber *Bruttoftäd)e eines ©runbftüdes be* 
trägt, baß bie Straßenbaufoften für ben iaufenben OJleter Sront toenig= 
ftens 500 90taf ausmachen, baß bie erften Soften für Straßenabtretung 
unb Straßenbau, für (Eigentumsübertragung unb 3rnöt)erluft ben 
Ouabratmeter ^Baulanb mit minbeftens 25 SUlarf befaften, gana abge* 
fehen oom tRohtanbpreis fetbft. Wir fönnen uns nur ber Ueberaeugung 
anfchließen, ber ^ßrofeffor Eberftabt bei *Befpred}ung ber (Ergebniffe biefer 
Arbeit 2lusbrud gibt: „Selb ft toenn man ben 93 oben ge = 
f d) e n ! t bekäme, toäre jebe anbere 93 a u f o r m afs bie 
ber Stodroerfshäufung ausgefchloffen." 

Setbft meitgehenbe Reformen oorausgefeßt, ift es unter biefen Um= 
ftänben oöllig unmöglich unb ein oerhängnisoolter Wahn, bie Erfeßung 
oon großftäbtifchen ÜRiethausbauten burch Stachfiebetung ernfthaft in 
93etra<ht au aiehen. Da ficfj bie 93eoötferung im 3nnern ber eigentlichen 
©roßftabt fehr oiel ftärfer häuft, ats in Vororten unb Siebetungen, fo 
mirb auch in Snfunft ber weitaus größere Xeit ber ©roßftabtmenfdjen 
im (Etagenhaus wohnen, bies umfomehr, ats bie mirtfchaftlichen (Ergebe 
niffe bes Siebetungsbaues bisher nicht befriebigenb roaren, bas Wohnen 
in ber ÜDlietetage ber ©roßffabt fetbft für weite Greife ber 93eoötferung 
teits eingemuraette ©ewohnheit, teils awingenbe Dlotmenbigfeit bebeutet. 

2luch für biefen großen Seit ber 93eoötferung muß Sorge getragen 
werben. Die ^otmaßnaßmen, bie im ©ange finb, oermehren awar bie 
Wohnungen in ber inneren Stabt, oerfcßtechtern fie aber auch erheblich- 
Diefem (Ergebnis wirb, fo fcßnetl es bie Umftänbe irgenb geftatten, burch 
Errichtung oon Neubauten entgegengewirft toerben müffen. Seit über 
oier fahren ift bie üReubautätigfeit immer toeiter oerminbert toorben, 
um fchtießlich gana einaufchtafen. Einige Angaben in biefer E)infi<ht 
bringt eine 2frbeit,oon Hermann SO^attutat: „Die Wohnungsfrage nach 


li 


bem Kriege" (So3talifiifche 2ttonaishefte): „Wad) ber Statiftif Ijatte 
Deutfdjlanb oor bem Kriege einen jährlichen 23et)öl!‘erungs3umachs non 
900 000 (Beelen; 3ur SSefriebigung bes 2Bohnbebürfniffes mar bie 5)er* 
ftellung non 200 000 neuen 2Bot)mmgen im 3al)re erforberlirf). Diefe 
3ai)I mürbe mährenb bes Krieges bei meitem nicht erreicht. ÜKad) bem 
Eieichsarbeitsblatt finb im Eteich im 3ahre 1914 nur 35 308 unb im 
3af)re 1915 fogar nur 14 434 EBohnungen neu erftellt morben. gür bie 
fpätere $e\t liegen nod) ßeine allgemeinen Angaben oor, bo d) blieb nach 
ben örtlichen Berichten bie EBotmungsbautätigfeit auf ein Minimum 
beßhränft." Seit berfelben 3eü finb bie abbruchreifen älteren bauten 
nid)t entfernt, b3m. erfeßt morben. Qu bem, .mas nadföuhoien ift, 
häufen fich bie Anforberungen ber nächften 3ahre. EBir ftehen einem 
©injchnitt non feltener Xiefe gegenüber, eine 25aupaufe, mie fie ^Berlin, 
ber Staat, bas Eteich bisher nicht gelaunt hoben. 

♦ 

Sollen bei EBieberbeginn ber Sautätigfeit biefe angehäuften Auf- 
gaben in ber gleichen umfänglichen EBeife gelöft merben mie 3unor? 
Etad) Dr. EBerner ^egemann finb 40 p(£i. aller ©roß=E3erliner (£tagen= 
mohnungen $)interhausmohnungen, hoben mehr als 400 000 EBohnum 
gen, in benen 1H Millionen EJtenfchen mohnen, nur ein hebbares 
Zimmer. EBeitere 600 000 EJknfchen müffen fi d) in EBohnungen be* 
helfen, in benen auf ein h^bares Sanier mehr als nier ^ßerfonen 31t 
regnen finb. Mahnungen finb nicht feiten, in benen 3ehn, ja 3mölf 
E$erfonen in einer ©in=3immer=2Bohnung mohnen unb fcf)laferi. Daten 
für anbere Stähle gibt 23. Sd)mittmann in ben So3ialiftifd)en Eftonats= 
heften: 3n E3reslau lebten non 1000 Sßerfonen 409 in (£in=3immer= 
^Bohnungen. 3n E3armen maren 55 p(Tt. aller EBohnungen einräumig; 
in Königsberg unb Eleufölln 54 p(£t, in Eftagbeburg 46 p(R, in $ofen 
unb ©örliß 45 p(£t. SBie ftarf bie EBohnungüberfüllung ift, 3eigt bie 
Xatfache, baß in Berlin nahe3U 12 p(£t. aller einräumigen EBohnungen 
mit fechs unb mehr ^erfonen belegt maren. 3n Farmen mar ber 
$ro3entfaß faft hoppelt }o groß, in ißofen nod) größer: hier mußten 
nicht meniger als 26 000 ^erfonen, alfo genau her fedjfte Xeil ber E3e^ 
oölferung, 3U fecßs unb mehr in einem Ela um fcßlafen." 

Soll in 3 u ^ un fi m e i t e r h i n ber größte Seil ber 
E3eoölferung in^interhäufernunb 5) 0 f m 0 h n ungen 
3 ufammen gebrängt fein Dafein oertümmern? 
Sollen m e i t e r h i n in ER a f f e n jene (£ i n = unb 3 w e * s 
3immer = 2Bohnungen tjergeftettt merben, bie bie 
meitaus übermiegenbe SR e f) r 3 a 1 ) l aller ©roß* 
ftabtmohnungen ausma^en unb 3 u g l e i ch }o uöllig 
u n 3 u r e i d) e n b unb f 0 u n h P g i e n i f d) mie i r g e n b m ö g - 


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I i d) f i n b ? 6o(l, um ein $ö o r t ^3 r o f. ©berftabts 3 u 
gebrauchen, „b i e f e s poltiifd) unb f o 3 i a I fc^lecf)tefte 
unb 3 u g I e t cf) teuer ft e unb unoorteilhaftefte 3 B 0 h n = 
f 9 ft e m" ohne V e b e n t e n m e i t e r h i n bauernbe 2 t n = 
tnenbung finben? 

(Eine ber umfangreichften p 0 1 i t i f d) e n , f 0 3 i a l e n 
mirtfchaftlichen, gcfunbf)cit(id>en unb architef* 
tonifchen Aufgaben ber ©egenmart h a r r t ihrer 
ßöfung. Dag hier ein oölligerVruch mit ber Ver = 
gangenheit 3toingenbe Votmenbigfeit ift, tann 
feinemStneifeluntertiegen. DieStunbeiftgünftig, 
mie nie 3uoor, ba eine aufge3toungeneVaupaufe 
oon oielen Söhren unb biegülleber an gehäuften 
Aufgaben enblich einmal ©elegenheit bieten, mit 
ben unbe ft reitbaren Schöben ber Vergangenheit 
enbgültig 3U brechen unb auf neuer (Brunblage im 
großen Vt a g ft abe neu 3U beginnen. Niemals mar 
bie 9 JI ögtidjfeit 3U einer grunbfäglichen U m g e ft a l = 
tungbes$Ueinmohnungsmefens,basben©harafter 
ber © r 0 g ft a b i entfcheibenb beftimmt, günftiger als 
h e u t e , n i e m a l s mar bie Ver antmortung größer, 
mie auch bxe Pflicht, oon theoretifchen © r ö r t e = 
tungen 30 burchgreifenben Säten fort3ufchreiten. 

2Bohnung unb gamilie- 

„Die Ur3eüe ber Stabt ift bie gamilie. 3 n ber mobernen ©rog= 
ftabt ift bas gamiliengefühl in unnatürlicher 2Beife unterbrücft unb bis 
3ur Vernichtung mißachtet morben. 3 n ber ©rogftabt broht bie 
Utiefenbeoölferung nun 3U einer ÜJtaffe oon unenblichen oielen ei^elnen 
3U merben, bie alle arbeiten unb raftlos fid) mühen, ohne fich in ber 
Samilie 3U größeren innerlid) befeftigten ©ruppen 3ufammenf fliegen 
3U tonnen. Der Staatenlenter tann heute in ber ©rogftabt faum noch 
mit einem anberen gamiliengefühl regnen, als mit bem, bag 3mifchen 
©begatten unb im Verhältnis ber ©Itern unb SUnber t)errfd)t. Unb 
felbft bas ift fdjon ferner erfchüttert. Darum aber hat man fich bei 
einer Vetrachtung ber mobernen ©rogftabt nur um fo mehr oor 2 lugen 
3U führen, bag biefe ©rfchütterung einer fo mistigen ©runblage nur 
eine Uebergangserfcheinung fein tann, fein barf, bag bie gamilie bie 
Hielte auch bes neuen Viefenorganismus ©rogftabt bleiben mug unb 
bag barum bie Arbeit am 2lufbau ber 3ufiinftigen ©rogftabt ©rfolg 


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nur oerfpricht, wenn eine Stärfung unb (Erneuerung 5 er auf Familien« 
gefügt genuteten Snftinfte ermöglicht wirb." 

Der einbringlidjen Ueber3eugungsfraft biefer Ausführungen Karl 
Schefflers in bem 2 $ud)e „Die Architeftur ber ©rofefiabt" wirb niemanb 
fid) oerfchliefeen fönnen. Sie umfchreiben bie fittlich=fo3iale ^Richtung 
unserer gufunftsarbeit. Diefer Wieberaufbau ber gamiüe in ben 
mobernen ©rofeftäbten ift aber nur benfbar, wenn bie notmenbigften 
SBorausfefeungen pier3U geraffen merben. Unter ihnen ftei)t bie 
Wohnungsform an erfter unb entfdjeibenber Stelle. 

Das Wefen ber Emilie erjcpeint unlösbar oerfnüpft mit einer 
gemiffen Abgefcfeloffenheii non ber übrigen SOtenfdjljeit, mit ber 
fammenfaffung einer fleinen ©ruppe sufammengehöriger 9 ften|d)en, 
bic fid) nur um einen gegebenen Kern 3U bilben unb 3U erhalten oermag. 
Diefer Kern ift bie Wohnung, beren Anlage, Form unb roirtfc^aftlic^e 
©runblage für bie 3 Röglid)feit ber gamilienbilbung unb bes Familien- 
lebens als grunbfäfelid) entfdjeibenb angefeljen merben muß. 

3 m erften 2 tbfd)nitt maren bie ftatiftifcf)en (Ermittlungen Dr. Werner 
#egemanns miebergegeben, um bie gegenwärtigen bitterböfen Wohn« 
oeihältniffe 3U fenmeichnen. Sie 3eigen flar, bafe bas non Karl Scheffkr 
aufgeftellte unter ben heutigen 2 Serl)ältniffen unb bei ihrer Fort« 
fübrung niemals erreicht merben fann. Dafe unter biefem ©efid)ts= 
punfte bie Wohnungsfrage nicht irgenbeine örtliche Angelegenheit ift, 
fonbern bafe fie in weiterem Sinne in fdjwerwiegenbem (Einfluß auf 
ben Aufbau unb bie immer erneute Kräftigung bes Staatsgebanfens 
fein mufe, unterliegt feinem Zweifel. 

An biefem fünfte unferer Betrachtungen greift bie grofeftäbtifdje 
Wohnungsfrage über bie ©re^en eines Sonbergebietes weit hinaus. 
Sie berührt nicht nur weitefte Kreife ber Beoölferung, fonbern erforbert 
3wingenb bie Aufmerffamfeit nicht nur ber Fod)behörben unb ©e« 
meinben, fonbern ebenfo fehr ber Staatsleitung unb Staatsoertretung, 
barüber hinaus ohne Frage in erweitertem SRafee aud) bie eingehenbe 
Anteilnahme bes Beides. 

Die ^eimatlofigfeit ber ©rofeftabt äufeert fiel) in erfd)recfenben (Er« 
fcheinungen. Dafe ein gamilienoater nach getaner Xagesarbeit in einer 
überfüllten unb fchled)ten, oon Kochbünften unb Kinbergefcferei erfüllten, 
oiel 3U engen Wohnung IRuhe unb (Erholung nicht finben fann, ift offen« 
fid)tlid), bie traurigen folgen bebürfen feiner erneuten geftftellung. 
Weit fernerer aber noch uürfen bie umfänglichen Wohnoerhältniffe 
unb bie fich baraus ergebenbe Zerrüttung bes Familienlebens auf bie 
(Entmicflung bes 9 tachmuchfes ein. Kinber finb ber eigentliche Schafe bes 
Staates, ber Sicherung ihres gefunbheitlichen unb gefitteten ©ebeihens 
gebührt alle nur erbenflühe Aufmerffamfeit unb 5 )ilfe. Statt beffen ift 
ber gröfete Xeil ber ©rofeftabtjugenb ge3wungen, „atl3u früh & a5 ^eft ^ 

li 


elterlichen gürforge unb Obhut 3U oerlaffen, einer gürforge, bie nicht 
immer feinen junger 3U füllen unb feine Vlöge 3U becfen oermodhte, 
einer Obhut, bie es blutenben ^erjenö ben (Befahren ber (Einfamfeü, 
ber Verführung unb }<hle<f)ten (Einflüffen ber Strafe überlaffen mugte." 

SJtit biefen Worten hnn^\d)net Otto Stühle in einer bemerfens* 
merien Schrift: „Oas proletarifche Slinb" ( 2 lftionsbuch 1917 ) bie elenben 
(Entmicflungsoerhältniffe ber (Brogftabtjugenb unb führt meiter aus: 
„Das proletarifche Sftnb oerlägt bie Wohnung ber (Eltern unb be3ieht 
bie ©chlafftelle. Unb mährenb bie Sugenb ber mohlhubenben Veoöl= 
ferungsfthtdjten noch jahrelang bie pflege unb Uebertoachung burd) 
Familie unb (Elternhaus geniegt, ftegen Millionen oon Knaben unb 
Stäbchen im Kampfe um fiogn unb Vrot. 3 n grogen Scharen beoölfern 
fie Werfftätten, gabriffäle, Vrbeitspläge unb Kontore, $ür fie gibt es 
feine Vorbereitung für ben ßebensberuf, feinen Vefuch einer höheren 
©djule, feine Ziehung 3ur Hausfrau burch 3 nftitute unb ^enfionate. 
gür fie heigt es nur: Arbeiten, Verbienen. Oie ßebens= unb 31 rbeits= 
oerhältniffe, in bie fie gelangen, fegen fie ben grögten förperlicgen, 
geiftigen unb fittlichen ©d)äbigungen unb (Befahren aus. Oer unerfäti* 
liehe SJlalftrom ber Snbuftrie oerfd)lingt, toas ihnen an gefunbheitlicher 
Wiberftanbsfraft, geiftiger ©elbftänbigfeit unb (Eigenart unb fittüchem 
Vermögen aus bem Kammer ber &inberjal)re oerblieben ift." 

* 

©ollte es oöllig unmöglich fein, bie 3ufunftsausfid)ten ber heran= 
toachfenben (Befchledjter etroas freunblicher 3U geftalten, Vefferes unb 
Wertoolieres 3U fegen an ©teile bes fo U^ulänglichen unb ©flechten? 
Slad) bem (Enbe biefes ungeheueren Krieges ift für ben ©taat ber (Ein3el= 
menfd), feine (Befunbheit, feine 2 lrbeitsfraft ohne Zweifel oon meit grö^ 
gerem Wert, als 3Uoor, oerftärfte gürforge unb oermehrte pflege mug 
feinem Wohlergehen 3ugemanbt merben. Oas (Eh^elleben ift foftbarer 
gemorben, feine Wertung höher. Oas Vtenfchenmaterial, bas bem 
Neuaufbau erfdjöpfter Staaten unb einer 3erfd)metterten europäifchen 
Kultur bienen foll, mug feiner künftigen ©enbung gemachfen fein. 3hm 
tnüffen einmanbfreie Wohnoerhältniffe 3ur gefunben (Entmidfung oer= 
bürgt merben. 

Sieben ber Dualität bes 3ufünftigen (Befchlecgtes ift bie SJtenfdjem 
3 a hl non groger Vebeutung für Staatsaufbau unb (Entmicflung, für 
Sicherung unb Verteibigung. 2 lber bie elenben Wohnoerhältniffe 3toin= 
gen gerabe3u 3U einer möglichen Vefchränfung ber $inber3af)l, machen 
fie bem oerantmortlichen (Empfinben ber (Eltern gerabe3u 3ur Vflid)t. 
Unter folgen beengten unb gefunbheitlid) überaus mangelhaften fftaunv 
oerhältniffen eine grögere 3 °hl non $inbern in bie Welt 3U fegen, märe 
in 5 )inficht auf bereu (Entmicflung unb 3 ufunft gerabe3U ein ftrafmür- 


15 


biges Vergehen. So muß bie grunbfalfcße 2 Boßnungsmeife ber ©roß* 
[labt nicßt nur fcßmerfte Dtacßteile an geiftiger unb förperlicßer ©efunb* 
beit ber fommenben <Sefd)Ied)ter bemirfen, fie muß ebenfo 3U einem 
ficßeren 9 iücfgang ber *8eoölferungs3iffer notmenbig führen: Xatfacßen, 
bie 3u benfen geben follten. 

Alt biefe Ueberlegungen tonnen nur bie Ueberjeugung befräftigen, 
baß je eher, je beffer eine grunbfäßilcße 9 ieugeftattung ber großftäbtifeßen 
ASoßnoerßältniffe oorgenommen merben muß. Auf biefer ©runblage 
altein fußen jene großen ÜUiöglicßfeiten unb erhabenen S^le, bie S^arl 
Scßeffler in einem bemerfensmerten Säße 3ufammenfügt: 

„Der S^riftallifationspunft ber SBeltmirtfcßaft, 
als ber bie moberne (Broßftabt betrachtet merben 
muß, fann eine mtirbige i)eimftätte für ÜDt e n f <h e n 
nur merben, fann 3u einem S^ulturmittelpunft 
m ober neu o 1 1 e n s f i cß nur entmiefetn unb mehr 
als eine bunte 2ßerf ft att ber Dtotburft nur fein, 
menn bie Samilienmirtfcßaft barin *Ftöglicßfeiten 
neuen ©ebeißens finbe t." (Die A r cß i t e f t u r ber 
©roß ft ab t) bleues © e b e i ß e n aber nerlangt Um = 
pflügen b e s A 1 1 e n unb neuen Samen in fruchtbare 
© r b e. 

# 

Sebenften unb 2fo“berurgen. 

e ö o r oerfueßt merben fann, einer p r a f t i f cß e n 
ööfurig ber großftäbtifeßen Söoßnprobleme näher 
3 u treten, ift es o o r altem notmenbig, f I a r 3 u * 
[teilen, woraus im einseinen bie Summe ber U n 3 u * 
längtichfeiten jeßigen ^nftanbes f i cf) 3 u f a m m e n * 
feßt. Danach aber bie Sorberungen an e i n e m i r f l i cß 
gute Stleinmoßnung f l a r 3 u u m r e i ß e n. SBenn es bei 
biefem ^Beginnen nötig erfeßeint, gemiff ermaßen bas Sbealbilb einer 
großffäbtijcßen SUeinmoßnung auf3urichten, fo ift es nielleicht mertooll, 
3U ermägen, baß ein Sbeal ein ©rmünfeßtes, nie notl ©rreießbares bar* 
ftellt, baß aus fortfeßreiterber ©ntmieftung neue Anfprücße fieß erßeben, 
bie einen Sbealsuftanb aufs neue in meite fernen 3U rüden pflegen. 
Unb bamit ben ©ifer ber Scßaffenben aufs neue entfaeßen. 

Die folgenben Ausführungen maeßen in fnapper Sorm ben 23 erfucß, 
bie Scßäben unb 9 tacßteile feftguflellen, in benen bie oolifommene Un3U* 
länglichfeit bes gegenmärtigen 2Boßnfpftems ber ©roßftabt begrünbet 
ift. ©leichseitig finb bie 33 erfucße nermerft, bie in biefer ober jener 


16 


!Rkf)fung gur Vehebung ber Vtißftänbe gemacht morben ft nb. Von 
irrten fei betont, baß fie faft alle nur einem einseinen Seit ber ©efamt* 
aufgabe Vecßnung tragen, mäijrenb eine sufammenfaffenbe ßöfung aller 
©inselfragen bisher nicht oerf ud)t morben ift. ©ine befonbere Vehanb* 
lung biefes ober jenen Seiles ber ©efamtaufgabe aber flirrt notmenbig 
Sum Uebermiegen einer Vefonberheit unb bamit 3 m Vernacßläffigung 
anberer Seile, bie — oon einer pljeren 5ßarte aus — oielleidjt ebenfo 
midjtig finb. 60 fann man nicht eine mirtfchaftliche ober fogiale ober 
gefunbljeitlicf) einmanbfreie ober bautedjnifd) mertoolle ober fünftlerifd) 
bebeutenbe ßöfung anftreben, fonbern bas Siel ift eine neuartige $orm 
ber großftäbtifchen SUeinmohnung, bie alle jene ©in 3 elf)eiten in innigfter 
Verfdjmelsung umfaßt. Das gleiche gilt oon ben Unterteilungen ber 
ermähnten ©ebiete, and) fie miiffen smar jebe su ihrem Vechte fommen, 
fid) aber ber ©efamtlöfung ohne Strang einfügen, toenn jene oon Söert 
fein foll. Auf biefer ©runblage mögen bie folgenben Ausführungen be= 
toertet toerben. 


♦ 

Nichts ift beseühnenber für ben leßten 6 tanb ber SUeinmohnungs* 
arbeit, als baß fiel) bas @d)mergetoicf)t ber Veffrebungen auf biefem 
©ebiete oon baupraftifchen, finan 3 ted>nifd)en, fosialen ©runblagen 
Sufeljenbs in bas 6 onbergebtet ber #pgiene oerfchoben hat. ßäßt biefe 
unleugbare Satfacße aud) bas große ©emicht ermeffen, baß ber ßöfung 
ber SUeinmohnungsfragen für ben fulturellen Aufbau ber Sufunft suge* 
meffen toirb, fo ift es hoch nottoenbig, feftßuftellen, baß auf biefem ©e= 
biete ©rgebniffe oon praftißhem 2Bert, oon unmittelbarer Vaunüßlichfeit 
faum erreicht toerben fönnen. Die ohne jeben S^eifel fehr toertoollen Um 
terfudjungen ber VSohnungshpgienifer miiffen naturgemäß mit einer 
Ansafjl oon Sorberungen abfd)ließen, bie faft ausnahmslos mit einer 
mirtfdjaftlich toertoollen ßöfung nicht in ©inflang su bringen finb. 60 
fommt auch ^rofeffor ©berftabt im „^anbbueß bes 5Bohnungsmefens" 
(3. Auflage 1918) su ber Stellung, 5 a g & j e Durchführung 
ber gefunbheitlich nottoenbigen Sorbe r ungen in 
jebem Salle nichts bebeutet als eine Verteuerung 
berSUeintoohnungen. Unb bamit toerben bie erregten 3Berte 
oöllig gegenftanbslos. ©in Vemeis bafür, baß bie ßöfung einer ZeiU 
frage auf biefem 6 ammelgebiete bie michtigften Aufgaben su beliebigen* 
ben ©rgebniffen niemals führen fann. Von unbeftreitbarem SBerte 
aber finb für jebe Arbeit auf unferem ©ebiete biefe eingehenben Unter* 
fuchungen, bie befonbers in bem ermähnten VSerfe bes $rof. ©berftabt 
über bas rein gefunbheitliche ©ebiet te iltoeife meit htnausragen. Da 
„Das ^anbbuch bes VSohnungsmefens" mohl bie oollfommenfte S u f ams 
menfteüung ber ©injelfchäben bes großftäbtifchen SUeintuohnungs« 


2 


17 


ro^ens entfjäft, fo feien bie tnefentli^ften fünfte biefer unterfudjenben 
2 tuf 3 äi)(ung ben folgenben Sfusfüljrungen 3 ugrunbe gelegt. 

♦ 

Sie tr)O^nung0ted)mj'd)en9Iad)teile her heutigen 
SHietdfeafernen* 

1. „Sie SOlietsfaferne bietet überhaupt feine ^Bohnungen, bie 
biefen Flamen oerbienen. Sie Aäume bilben feine ASohnung. 3n bem 
Slafernengebäube tft jebes 5)eimgefühl aufgehoben. Auf (Betritt unb 
Xritt, bei jebem Älicf aus bem jjenfter befielt ber ßtoang ber Ae* 
rüfjrung mit ber Aacßbarfchaft. fjür ben Aufenthalt, bie Aetoegung 
unb bie Aefchäftigung bei ober neben ber 2Bof)nung enblich fehlt jebe 
Alöglichfeit." ((feberftabt.) hieraus ergeben fief) bie gorberungen ootl* 
ftänbig in fid) abgefchloffener 2Bof)nungseinheiten, großen Abftanbes ber 
Raufer ooneinanber, oor altem bie ©Raffung eines 9taumfomple£es, 
ber ben oielfeitigen Aufgaben einer Ahnung toirflich gerecht mirb, 
3 ugleid) bem ©mpfinbungsleben ber Aetoohner einbrudsoolle Aaum* 
begiehungen unb Aaumroerte fdjafft. 

2. „Sie 3ai)I ber 9täume ber AUetsfafernenmohnungen, abgefehen 
oon ihrer (Bröße, ift 3 U gering, ©ine SBohnung muß, ba fie regelmäßig 
einer Familie 3 U bienen hat, für bie Trennung ber gönilienmitglieber 
nach älter unb (Befehlest ausreichen." (©berftabt.) Sie ©rörterung 
biefer grage hängt eng mit Abfchnitt 1 sufammen; fie beseidpiet in ber 
£at ben fdjmerftmiegenben unb entfeheibenften Äacßteil ber groß* 
ftäbtifeßen SUehnoohnung: bas (Brunbübel ber Aaumfnappheit. ©s fei 
oenoiefen auf bie Ausführungen $arl ©iebolbs, ber an #anb feiner 
©rfahrungen bei ben Arbeiterheimen in Aielefelb 3 U folgenben ©rgeb* 
niffen fommt: (©b. alte Ausgabe ©. 248.) 

„Am mid)tigften für bie fleinfte A$ohnung finb bie $üd)e unb bie 
©d)Iaf 3 immer. Sie ^üd)e muß minbeftens 14 bis 15 Quabratmeter 
groß fein unb als SBohnraum ausgebilbet merben. An ©cßlafräumen 
finb erforberlid) ein größeres mit 14 Quabratmeter für bie ©Itern unb 
grnei Heinere oon je minbeftens 10 Quabratmeter, um bie 
herantoad)}enben Slinber nach bem Oefd)Ied^t trennen 3 U fönnen." 
Sas finb als SOtinbeftmaß 49 Shibifmeter (Brunbfläche, unb 3 roar reine 
Außfläche ohne Aebenraum an glur, Abort, ©peifefammer, Aal* 
fon ufm., 3 uleßt ift hiebei bie befonbers in ber (Broßftabt fo gcroidjtige 
grage ber Untermieter nicht berüdfießtigt. 3n Akhrheit ftellt eine 
Aßobnung oon brei Zimmern unb Mcße bas Atinbeftmaß notmenbigen 
Aaumanfpruchs bar, toährenb in AUrflicßfeit bie gan 3 übermiegenbe 
SfJtehrsahl ber Aeoölferung in 1 b 3 to. 2 Räumen unb Mcße lebt. 


18 


3. „Die Slleinmohnung ber Mietsfaferne f>at regelmäßig feine Quer* 
lüffung. Der Mangel ift unabftellbar unb in bem ©pftern begrünbet, 
meil es bautedjnifd) unmöglich ift, in ber ÜUtfetsfaferne jeber Sllein* 
mohnung genfter nach 3 toei entgegenfteßenben Dichtungen 311 geben. 
Die Slleinmohnungen merben oielmehr feft eingebaut, ©ine ßuft* 
erneuerung burd) ©egensug innerhalb ber 2 öo!)nung tjerbeißufütjren, 
ift f)ier nicht möglich." (©berftabt.) Dermiefen fei auf ben Umftanb, 
baß ^ßrofeffor ©berftabt in feinen ergänsenben SBemerfungen bie etma 
oorljanbene über bas Dotmenbige ßinausgetjenbe - 3 immerhöhe als einen 
Dad)teil betrachtet, meil ber über ber genfteroberfante lagernbe ßuft* 
mürfel fieß niemals erneuern fann unb gerabesu ßum Träger oerborbener 
ßuft mirb. Die gorberung ber Querlüftung für ©tagenmohnbauten 
bei enger ^Bebauung muß als gerechtfertigt angefeßen merben, menn 
aud) in günftigen gällen bie rechtminflige ßüftung genügen bürfte, bie 
für ben meiträumigen Flachbau ausreicht. 

4. „Die 2Bof)nungen, insbefonbere bie ^ofmohnungen, in benen ein 
großer Seil ber Sttietsfafernenbeoölferung mofjnt, haben niemals \)\n= 
reidjenb Sicht unb 6 onne." (©berftabt.) $rof. ©berftabt führt biefe 
Tatfache auf bie 53aut)öhe unb ben fchledjten ©runbriß 3 urücf. ©s er* 
fcheint ferner unoerftänblich, marum bie für bie $Ia<hfiebelung burd ) 3 
meg anerfannte, faft felbftoerftänbliche 0 ?orberung, bie Deihenhäufer in 
Dichtung Dorb — 6 üb 3 U bauen, für bie Dtietetagenhäufer oft außer acht 
gelaffen mirb, mäfjrenb bod) im engen Hochbau ber Oroßftabt bie 
fragen ber Defonnung unb ^Belichtung meitaus fchmermiegenber finb. 

5. „Die Temperatureinflüffe mirfen übermäßig. 2Bährenb ber 
märmeren Sahresjeit finbet felbft bes Dad)ts feine 2 Ibfüf)lung ftatt; bie 
ßuft ift in ben 2Bol)nungen fcßmül unb mitunter unerträglich unb ge* 
funbheitsfchäblich." (©berftabt.) Die ©rörterung ber Temperatur* 
einflüffe ftef)t mit ber mangelnben Querlüftung unb bem ungünftigen 
©runbriß in engftem ^fammenhang. 2 tud) märe es nüßlid), bie hohe 
ber ©ebäube mefentlich herabsuminbern. 

6 . „Die ßuft in bem 9Jttetsfafernengebäube felbft ift \d)led)t. Die 
Dünfte oerbreiten fid) burch bie gemeinfamen Treppen unb bie höfe. 
Derborbene ßuft ift ebenfo fchäblid) mie oerborbene Nahrung." (©ber* 
ftabt.) 2 tud) bie fehl echte ßuft, bie burch kreppen unb höfe oerbreitet 
mirb unb ooller ^ranfheitsfeime fteeft, ift eine fjolge ber mangelnben 
Querlüftung, ber beflagensmerten Daummenge, bes ungünftigen ©runb* 
riffes. Der f^orberung nach gutgelüfteten hofanlagen muß meitgehenbe 
^Beachtung gefchenft merben. 

7. „Die ameefmibrige bautecßnifche $orm ber Dtietsfafernen 
3 mingt 3 U Anlagen, bie nur in bem fd)l echten Daufpftem begrünbet 
finb, unb beim ©infamilienhaus megf allen; hierunter 3 äf)len bie 2 (n* 
lagen ber gemeinfamen ^orribore, ber ©infahrten, Durchfahrten, ber 


2* 


19 


breiten kreppen ujm. Diefe ©inrichtungen, lebiglich tjernorgerufen 
burch bie Anhäufung non 40 bis 50 Familien in einem SBofyngebäube, 
bemirfen eine große Verteuerung bes Vaues unb feiner Vermattung. 
Die meitgehenben Stnforberungen ber Vaupolisei finb ferner nid)t 
einmal imftanbe, bei in bem Vautgpus begrünbeten geuersgefafjr unb 
ber ßebensgefahr bei Vränben su begegnen." (©berftabt.) 

*Profeffor ©berftabt fcßließt feine sufammenfaffenbe 2tufftellung 
ber mot)nungsted)nijd)en ÜKachteile ber heutigen Vtietsfaferne mit 
folgenben gufammenfaffenben Verachtungen: „Der © r u n b r i ß 

ber Vtietsfaferne ift auf bie f)errf^aftüd)e Vorher* 
moijnung au g e f d) n i 1 1 e n ; für bie iUeinmofynung 
bagegen ift er untauglich unb fd)Iecf)tb)in unoer* 
befferlid). DiemibernatürlidjeVerbinbungsmeier 
oerfd)iebener 2 Ö 0 h n u n g s f 0 r m en , mie fie in ber 
9 ftietsfaferne oorliegt, bringt n ad) je ber Vicßtung 
nur Un3uträglid)feiten h e r o 0 r. © s i ft fd)Iecf)ter^ 
bings unmöglich, auf einem Vtietsfaf ernengrunb* 
ftüdbefriebigenbe^(einmoi)nungen3ubauen. Die 
neueren fogenanntenh99tenifchenVerbefferungen 
unb ©infchränfung ber Vobenausnüßung bemirf en 
hier in er ft er ßinie eine Verteuerung ber 2 öoh s 
nun gen; an ber oerfehiten Sßohnungslage bagegen 
fönnen f i e n i ch 1 5 ober nur menig änbern. Einern 
richtigen oh nungsgrunbriß f e ß t fchon ber 
fchnitt ber Vtietsfafernenbauftelle bas natürlichfte 
5 ) i n b er nis entgegen. 

©£ i ft ein unhaltbarer Söiberfprud), baß in einer 
Seit, in ber ber r beiterftanb politifch unb ful* 
turell empor ft ieg, ihm 2öohnungsoerhältniffe ge* 
fchaffen mürben, mie er fie in Deutfd)Ianb 3U feiner 
Seit gefannt hat. Die Vtaffe ber ft ä b t i f <h e n V e * 
mohner ift oom ©runbbefiß ausgefd)loffen; bas 
^ßrioateigentum an Voben ift burch bie Vt i e t s * 
faferne aufgehoben unb in ben unfidjeren Spefu* 
lationsbefißeinerfteinenüDUnberheitnermänbelt. 
©in großer — in oielen V e 3 i r f e n ber größere — 
XeilberVeoöIferungiftnachbem^ofeabgefchoben; 
bie Anlage ber SUeinmohnung ift in je ber #infid)t 
unbefriebigenb. Diefes politifch unb f 0 3 i a t 

fd)ied)tefte2Bohnungsfgftemift3ugIeichbasteuerfte 

unb unoorteilhaftefte; es forbert bie I) ö d) ft e rt 
Vtieten unb macht eine 3ureicßenbe ^robuftion oon 
SUeinmoßnungen unmöglich." 


20 


25erjud)e unb (grgebniffe* 

Die oorftehenben Ausführungen merben ergäbt burch eine Anaahl 
iechnifch=pra!tifd)er Veftrebungen, bie aum £eil bas gefunbheitlid)e 
Programm oeroollftänbigen, aum Xexi rein xx»irtfd)aftlid)en Abfichten 
bienen. Vicht feiten befinben fid) 93erfud)e in lefeter Vichtung in oollem 
(Segenfaß au ben gorberungen ber Hpgienifer, befonbers infomeit fie 
auf möglichfte Verbilligung bes Vauens gerietet finb, mieber ein Ve* 
meis, baß mit Xeillöfungen Vkrtergebniffe nicht a u eraielen finb. Diefe 
Veftrebungen unb Verfuge feien hier angefügt, meil ihre (Erörterung 
notmenbig ift, me nn ein oollftänbiges Programm ber mohnungs=ted)* 
nifchen Votmenbigfeiten aufgefteüt merben foü. 

8. DiefJrageberVaumhöhe. 

Vaurat Albert Vkiß gibt in ber Strauchpreisfchrift als Ergebnis 
feiner (Sroß=VerIiner Unterfuchungen bie (Sefchoßhöhe ber $lein= 
mohnungen mit burchfchnittlid) 3,5 Steter in Sichten an. (Eine folcße 
Ausmeffung ift ameifellos oiel au h och- Der Bieter muß ungefähr 
25 ^Sroaertt bes umbauten Raumes feiner 2öohnung oerainfen, non 
benen er nicht ben geringften Vußen hot- @r ift fomit genötigt, einen 
fehr erheblichen Üeil ber Vliete ohne (Erhalt eines (Segenmertes aufau= 
menben unb bamit gemiffermaßen aum gfenfter hiuausaumerfen. 

Der Vaum über £üren, genfterftura, Scßränfen ufm. ift über ein 
gemiffes 2Jlaß hinaus nußlos oertan, ber entfteßenbe ßuftraum auch 
gefunbheitlich feinesmegs irgenbmie mertooü, fonbern nachteilig, nach 
bem britten Abfchnitt ber Ausführungen $rof. (Eberftabts. Diefe Vaum= 
höhen entftehen baburch, baß Slleinmohnungen in Seitenflügeln unb 
Quergebäuben an ben Hintertreppen großer unb hoher Vorbermohnum 
gen angeorbnet merben, mas bei ber übermiegenben Vtehraahl ber Ver= 
liner ^leinmohnungen ber gull ift. 3n neuer 3eit ift man beftrebt, 
allaugroße Vaumhöhen herabauminberh, bennod) ift fein Veifpiel be= 
!annt, in bem biefe (Erfparnis an umbautem Vaum bem Bieter augute 
gekommen märe: entmeber in einer Herabfeßung ber OTiete obcp in 
einer entfpredjenben Vergrößerung ber Vußfläcße, mas meitaus mert= 
ooller märe. 3n 2Birflid)feit bleibt aber ber Mietpreis unoeränbe^t, 
ba er fic^ nicf)t nach ben tatfächlichen Vaufoften richtet, fonbern nach 
bem Durchfchnittsfaß für eine Vßohnung oon beftimmter Vaumaahl im 
entfprechenben Stabtoiertel. Vei biefer Honbhabung ift naturgemäß 
ein Vorteil nicht au erreichen, miemohl biefe grage oon großer Xrag= 
meite ift. Hmgemiefen fei an biefer Stelle auf bie Ausführungen bes 
(Seheimen Vaurats (Söcfe, auch Heinrich Serinis, baß bie ^mimerhöbe 
au ber Vaumtiefe in enger 2Bechfelbeaief)ung fteht. 

9. Die $ r a g e ber Valfone, fioggien unb bergl. 

Sicherlich ift gerabe für bie enge ®leinmohnung ein Valfon eine 


21 


feßr münfcßensmerte, ja gerabegu notmenbige ßugabe. geftattet 
befonbers Slinbern unb fränflicßen ^erfonen ben 2lufentßalt in freier 
ßuft, oßne baß fie bie 2öoßnung unb bas #aus neriaffen müffen. 2lus 
biefer Satfaeße aber bie gorberung abguleiten, baß an ber gangen gront 
ber 9Rietßäufer in jebem ©tocftnerf große burcßlaufenbe 58alfone fuß 
ßingießen müßten, ift eine unbegrünbete Uebertreibung, bie SRacßteile 
in fid) trägt, mie jebe ©onberlöfung eines eingelnen Seils ber 2tuf= 
gaben. ©o finb and) in bem fogenannten greiluftßaus, bas non 
SImerifa nacß Deutfcßlanb gu nerpflangen nerfucßt mirb, feine mefent* 
ließen Vorteile gu erblicfen, aber bebenfließe SRacßteile. Das greituft* 
ßaus ift ftufenförmig aufgebaut, fo baß im (Erbgefcßoß eine -Raumtiefe 
non etma 8 9tteter, im oberften ©efeßoß eine foId)e non etma 4 SReter 
gegeben ift. Das (Erbgefcßoß, aueß notß ber erfte ©toef braueßen große 
*Raumßößen, um bie ßoßen ^Raumtiefen ausgugleicßen. ©ie finb 
baburtß feßr teuer unb aueß für 2Boßngmecfe faum benußbar, gefeßmeige 
für Slleinmoßnungen. 3m oberften ©eßßoß bagegen fallen bie 2Boß= 
nungen gu flein aus. 

SÖßäßrenb ber feilförmige (Einfall non ßießt unb ßuft gmifeßen 
gegenüberliegenben E)ausmänben gtneifeüos non Vorteil ift, aueß für 
bie $)erabfeßung ber ©traßenbreite, fo tnirb biefer 23orgug bur(ß einen 
im Snnern bes Kaufes entfprecßenb entfteßenben ©cßattenfegel toieber 
aufgeßoben. Dagu treten bebeutenbe Unfoften für bas ftets erneute 
Abfangen ber 2lußenmauern. Durcßlaufenbe ©alerien beeinfluffen bie 
ßicßt= unb ßuftnerßältniffe ber unter ißnen liegenben 2Boßnräume feßr 
nachteilig. Da ferner bie ^Balfone feitlicß gegen ben SRacßbar abge= 
fcßloffen merben müffen, aueß bureß ben 3Salfon bes näcßften ©toefmerfs 
überbeeft finb, fo finb eingebaute ßoggien non gleicßem 2Bert unb norgu* 
gießen, ba fie nießt nor bie gront norfpringen. Mcßenbalfone, menn 
aud) feßmal, finb reeßt mertnoll, ba fie bie (Entlüftung unb 23eleucßtung 
ber ^üeße ober ©pülfücße bis gum gußboben geftatten, aueß für ßaus= 
mirtfeßaftließe Arbeiten non Slußen finb. 

10. Die^BefcßränfungberSreppenßausgaßl. 

2luf bauteeßnifeßer ©eite finb bie 93emüßungen feßr lebßaft, mög* 
ließft niete 2Boßnungen bureß ein Xreppenßaus gu erfeßließen. Sreppem 
ßäufer bebeuten unter ben fogenannten toten 2luftnenbungen bie fcßmer= 
ften ßaften für Slleimooßnungsbauten, ebenfo bureß ißre feßr ßoßen 
©efteßungsfoften mie bureß ben 93erluft nußbarer gläeße. 2lus roirt* 
feßaftließen ©rünben finb alfo bie SSeftrebungen gur (Einfcßränfung ber 
Sreppenßausgaßl feßr gerechtfertigt. 3n ber praftifeßen 2lmnenbung 
bagegen ergeben fieß erßebließe *Racßteile bureß ungünftigen ©runbriß, 
große ßaßl öer ^ofmoßnungen, gortfall ber Querlüftung für bie 2Reß v* 
gaßl ber 2ßoßnungen, mie aueß ber Diagonallüftung, 23erluft an glur* 
fläeße u. a. m. ©leießartige 5Seftrebungen in 2(merifa, ^Bubapeft, 


22 


Berlin unb anberen Stabten, fußenb auf ähnlichen 2lnorbnungen in 
länblichen ©egenben bes Sübens unb Dftens, in VSohngebäuben bes 
alten 3 Bien unb Berlin gehen nur barauf aus, ben Zugang 3 ^ ^en 
©inaelmohnungen non einer ©alerie an ber 2 lußenmanb bes Kaufes 
anauorbnen, auf bie man oom Treppenfjauspobeft gelangt. Sen unleug= 
baren Vorteilen gegenüber, bie im gortfaü bes bunflen Snnenflurs 
ber Slleinmohnungen in ber ©rfparnis non Treppenhausfoften unb 
Vaufläche au erblicfen finb, treten erhebliche Vachteile auf: bie Votmem 
bigfeit, bei fcf)Ied)ter 2Bitterung unb im hinter oom gefd)üßten Treppem 
haus erft mieber ins fjreie treten, um bie Tßohnung erreichen 3 U tonnen, 
bie feitlid) offene, bem groft unb Schlagregen ausgefeßte ©alerie, auleßi 
bie Votmenbigfeit bes Vorbeigehens an ©ingängen, Mdjen unb 2Bohm 
fenftern fremder ^Bohnungen u. a. m. Sie ©rfahrungen mit folgen 
Anlagen finb bementfpredjenb aumeift fef)r menig erfreulich- Sie 2tbfid)t 
ift burdjaus richtig, mas oon ber 2 Irt ber ßöfung nicht gejagt merben 
fann. ©ine foldje ©alerie, bie aur Vefjebung ber geuersgefatjr bis aum 
nö^ften Treppenhaus burchführen fönnte, müßte ebenfo gefd)Ioffen fein 
mie bas Treppenhaus felbft, aber biefes 3^1 ift bei ber heutigen Vau= 
meife ber Vtietmohnungen unerreichbar. 

11 . fJortfallbesSnnenflurs. 

Veftrebungen in biefer Dichtung finb nicht feiten unb beden fi<h 
3 um Teil mit benen bes oorigen 2tbf<hnittes. Ser unbeleuchtete 
ännenflur ift aumeift ber übelfte Teil ber fileinmohnung. Ueberlaftet 
mit allem, mas bie allau menigen Väume nicht mehr aufaunehmen oer* 
mögen, oiel au fdjmal, ohne jebe unmittelbare ßid)t= unb ßuftauführung, 
ift er ein fehr menig münfdjensmerter SBohnungsteil. Ser im Slönig* 
reich Sachjen geforberte ßidjtfanal, ein non ber 2lußenmanb, auf ben 
^nnenflur führenber unmittelbar beleuchteter Stichflur, hilft nicht oiel, 
aumal er meift an ber fallen Stelle (neben bem VSohnungseingang) 
angeorbnet mirb. hingegen oerurfad)t er erheblichen Verluft an Vuß* 
flache unb Vermehrung ber Vaufoften. Ses öfteren tauchen Verfuge 
auf, ben Vaum bes Snnenflurs in eine beleuchtete 2Bohnbiele aufam= 
menaufaffen. 21ber biefe Verfuge hoben aumeift unbefriebigenbe ©rgeb* 
niffe, ba etma erreichte Vorteile burch bie Nachteile größeren 9taum* 
bebarfs unb entfprechenb oermefjrter Unfoften mieber aufgehoben mer* 
ben. Sennod) ift bie gorberung nachbrüdlid) aufrecht au erhalten, baß 
ber unbeleuchtete 3nnenflur, in ber Tat bas böfefie ©lieb ber Sletn* 
mohnung, in Fortfall fommt. 

12 . SforberungberTppifierung. 

Suleßt bleibt bie Votmenbigfeit einer meitgehenben Tppifierung ber 
großftäbtifchen ^leinmohnung. Vemühungen, bie heute im Siebelungs* 
bau felbjtoerftänblich erfcheinen, merben beim Vttetetagen^leim 
mohnungsbau allaumenig berücffid)tigi. Sie Schmierigfeiten liegen in 


2 ?> 


ben f<hled)ten unb ungleichen Abmeffungen ber Baugrunbftüde be* 
grünbet, bie in jebem gälte anbere ßöfungen neranlaffen. Bor allem 
in tnirtfcf)aftlid)er Be3iehung fielen bie Vorteile ber ippifierung heute 
fo allgemein feft, baß fie feiner befonberen Auf3eid)nung an biefer «Stelle 
bebürfen. Darüber hinausgehenbe 2 Berte and) für ben Bieter beleuchtet 
(Bel), Baurat (Bode im „Stäbtebau" (gebruar 1918 ) mit ber Schluff 
folgerung: „Die ibeale gorberung ber ftäbtifcßen Bebauung ift ein 

gleichförmiger (Brunbriß für Wohnungen gleicher Mietpreife." ©ine 
möglirfjft gleichartige Behanblung gan3er Saublöde ift mit Bachbrud 
an3uftreben, fei es burd) Uebereinfommen ber (Brunbbefißer, fei es 
öurd) Betätigung non Baugenoffenfchaften ober ber (Bemeinben felbft. 
BSertooll auch in mirtfdjaftlicher Besieljung finb in biefer S)infid )t bie 
eingehenben Unterfucßungen non kalter SUrt Behrenbt in feinem 
grunblegenben 3 Berfe: „Das einheitliche Blodformat als Baumelement 
im Stäbtebau". £roß aller Schmierigfeiten, bie in ber Serfplitterung 
bes (Brunbbefißes liegen, muß an ber gorberung einer möglid)ft tneib 
gehenben Dppifierung ber £leimnol)nungsformen im ©tagenljausbau bet 
(Broßffabt unbebingt feftgehalten tnerben. 

gufammenfaffenbe Betrachtung biefer 3 ro ö l f 
fünfte, bie ben Begriff ber ibealen SUeinmohnung 
nach allen in Betragt fommenben Seiten u m 3 
fchreiben, muj 3U ber ©rfenntnis 3tningen, baß 
mit bern Mißbrauch ber 3 öof)nungen non ein unb 
3 tu ei Zimmern mit E ü d) e grunbfäßlich gebroden 
tnerben muß. Der ganse u>irtfcf)aftlicf)e unb bau = 
technifcße 3 u ft a n b bes SUeinmohnungsmefens ber 
(Begenmart beruht auf einer in jeber benfbaren 
Be3iehung nöllig un3ulänglichen (Brunblage, © s 
bebarf feiner meiteren Bemeisführung, um eine 
oollfiänbige Umformung, ei ne non (Brunb auf neue 
(Beftaltung bes SUeinmohnungsmefens ber (B r 0 ß = 
ftabt als eine ber 3tningenbften gorberungen ber 
(Begenmart auf3uftellen. 


Slotoenbigkeiten. 

Auf (Brunb ber bisherigen Ausführungen 
ergibt fid) folgenbes Arbeitsprogramm: 

„M ö g l i d) ft f d) n e 11 unb in a u s g e b e h n t e ft e m Maß = 
ftabe ift in ber (Broß ftabt ber Bau non SU ei nm oh * 
rt ungen in bie 2ßege 3U leiten, bie folgenbe © i g e n * 
fchaften in fid) fd) ließen: 


24 


a) 2$ ei gureidjenber D^ufefläc^c eine gal)! ö o n 

oier Räumen: ©rofee 2Boi)n!üd)e ober $aupt = 

tagesmo^nraum oon 18 — 25 qm m ö g l i d) ft mit 6 p ü l = 
fiic^e ober © p ü I n t f ch e. ©Iternfchlafgimmer, e i to a 
12 — 14 qm, gm ei ©chlafräume für bie SUnber oer* 
fdjiebenen © e f ch I e ch t s oon gufammen 20 qm, ßoggia, 
Slüchenbatfon, 21 b o r t. Diefem Vaumbebarf ift g u 
entfpredjen mit ber annät)ernb gleichen 3 a h I oon 
Äubifmeter umbauten Raumes, m i e fie bie jefeige 
© i n = unb 3mei = ,8immermobnung mit E ü d) e b e = 
f i fe e n , a l f o 150 — 200 cbm. 

b) ©in Verhältnis oon VaumhöfK g u r V a u m = 
tiefe, bas ansreidjenbe Velüftung unb V e li d) tu ng 
fid;ert. Die Xagestoohnräume bgm. bie 2öof)nfüd)e 
ift 1) i e r befonbers günftig gu ft eiten. 91 o r b — © ü b = 
riefetung ber Vauförper. Querlüftung aller 2B o h s 
nungen; Valfon e. 

c) 9Wögli<hfte©infchränfung ber toten 2lufmen* 
bungen bes grofeftäbtifd)en VUetstjaufes, alfo 
Verminberung ber ©trafeenbreiten, Fortfall oon 
Durchfahrten, ©rfparnis an Xreppenhäufern, V e r = 
meibung oon Snnenfluren, bie bie V u fe f I ä <h e be = 
einträchtigen, 

d) Fortfall ber b u n f I e n unb engen 3 n n e n = 
flure, Zugang gu ben oöllig in f i cf> abgefchloffenen 
©ingelroohnungen möglichft oon einer Vufeentoanb 
bes Vttetshnufes aus, bod) müfete ein folcher 3 u = 
gang burd) gefchloffene, unmittelbar belichtete 
unb gelüftete Vauförper bemerfftelligt toerben. 

e) 3 n ftäbtebaulidjer 5) i n f i ch t : © t r a fe e n = 

e r } p a r n t s burd) Anlage j ch nt a I e r SBohnftrafeen, 
möglichfte 5)erabminberung bes abgutretenben 
©trafeenlanbes unb ber ©trafeenbaufoften. © u t 
gelüftete, nicht allfeitig umbaute Snnenhöfe oon 
geräumigen Husmeffungen, grüne 3nnenparfs, 
V I e i d) e n , (Spielflächen, Dachgärten, gemeinfehaft* 
liehe Anlagen. 2öettefigehcnbe Xqpifierung. 

Das 2lrbeiisgiel ber 3ufunft rnufe alfo fein, biefes Programm mög= 
tichft lüdenlos gu oermirflichen. fiöfungen oon einfeitiger Vebingtheit 
finb ertoiefenermafeen oft nachteilig für bie fonftigen ©rforberniffe. 2l((e 
gaftoren unb ^orberungen einer ibeaten Slleinmohnungsgeftaltung 
müffen in einer neuen, eigemoertigen ßöfung oerfchmolgen toerben. 


25 


s 2 lud) biirfie eine foldje ßöfung, bie üötöglichfeit eines günftigen (Ergeb= 
niffes oorausgefefet, feine aüßu große 2tef)nlid)fett mit ben oorfjanbenen 
SSohnungen bieten, ba fie fonft fogleid) auf ben ?ßreis ber 2Bof)nungen 
oon brei Zimmern unb f ücße hinauf fcßnellen mürben. üftotmenbig ift 
baljer eine neue ßöfung ber großftäbtijchen f leinmohnungsprobleme auf 
einer unabhängigen unb eigenmertigen (Brunblage. 

# 

(£s märe oerfehlt, biefe grunbfäßlichen (£rmägungen abaufdjließen, 
ohne neben ben kulturellen, mirtfd)aftlid)en, gefunbheitlichen Sftotmem 
bigfeiten gleichberechtigt fünftlerifche Sorberungen aufjuftellen. Die 
heutigen 2 Bof)nungsbauten ber (Broßftabt finb oon außen mie oon innen 
oon folcher Unßhönheit unb Un3ulänglid)feit, baß fie ihren *Bemohnern 
nicht entfernt irgenbtoelche (Befühlsmerte, Iftuhe, 2 Bärme, ^eünatempfim 
ben, greube gu geben oermögen. 60 ßhließt bas aufgeftellte Arbeite- 
Programm mit ber Sorberung ftärferer (Begenfäße, reicherer *ftaum= 
be3iehungen, einer organif d;en fiebenbigfeit ber IRäume in fi d). 
fünftlerifche ^aummerte müffen gefchaffen merben, bie ünftanbe finb, 
auch bk (Einselmohnung bes Söfaffenmietshaufes liebensmert unb behag= 
lid) 3u machen. Zieles baooit läßt ftd) ficherlich in oollem (Binflang mit 
ben technifdjen unb mirtfchaftlichen 9 totmenbigfeiten ersielen, manches 
aber fann auch erreicht merben burd) eine neue farbige Stusgeftaltung 
ber bauten, ber ©in3elräume unb ihrer Unterglieber, aus ber eine neue 
Sreube am 5 )eim unb f^amilienleben, SBehaglichfeit unb sugteicß mit 
einer freunblidjen ^eiterfeit fulturelie 2öerte oon nicht 3U unterfchäßenber 
^Bebeutung für bie (Beftaltung ber $ufunft ermachfen fönnten. 


26 


II. Seil. 


2)05 2>oppeIfto<M)au5. 

©runblagen öes SoppelftocUßaufes* 

3u einem großen Deil liegen bie Eigenart unb ber Sßert bes bau= 
fünftlerifcßen Schaffens unferer in ber Xatfacße begrünbet, baß man 
meit meßr als früher eine 3nbioibualifierung ber Unterteile einer 3Sau= 
aufgabe oo^uneßmen bestrebt ift, jebes berfelben in einer feinen gang 
beftimmten ßmeden burcßformt unb bie fo in fuß gefcßloffenen ©in 3 el= 
glieber bes Mumerfes burcß ißre befonbere 3Inorbnung innerhalb bes 
gefamten Mumfomple^es unb burd) rein fünftlerifcße Mittel mieber in 
in bie große (Einheit bes ©efamtorganismus jufammenbinbet. 3n 
neuer entftanbene große Mßnßofsgebäube, Snbuftrieanlagen, 
Speicher, SSermaitungsbauten u. a. m. beftätigen biefen ©inbrucf, fofern 
fie gut finb, leicßt auf ben erften Md (Es fann bemnad) aud) für 
bie ungeheure Aufgabe, bie bas Slleinmoßnungsbebürfnis ber großen 
Stabte barftellt, nur oon 2ßert fein, menn bie ^ecfbeftimmungen ber 
ein 3 elnen tftäumlid) feiten einer SUeinmoßnung getrennt ooneinanber be= 
tracßtet, ißre (Erforberniffe nad) gorm, ©röße unb Sage beftimmt 
toerben unb bann auf einer foldjen ©runblage oerfucßt mirb, bas ibeale 
^8ilb einer guten SUeinmoßnung möglidjft meitgeßenb in bie Mrflicßfeit 
3 U überfeßen. 

(Es mar feftgeftellt morben, baß eine SÖßoßnfücße, brei Stßlafräume 
unb ausreicßenbes üftebengelaß bie räumliche Mnbeftanforberung an 
eine gute SUeinmoßnung umfaffen. Die SBoßnfücße ift nun oon biefen 
oier Räumen ber E)auptmoßnraum. Sie mirb am Sage etma 16 Stun* 
ben benußt (6 Ußr morgens bis 10 Ußr abenbs), mäßrenb bie Scßlaf* 
räume nur bie ßalbe 3eit, cilfo etma ad)t Stunben in ©ebraucß genorm 
men merben, unb 3 toar mäßrenb ber 9lacßt3eit (10 Ußr abenbs bis 
6 Ußr morgens), ferner mirb bie 2Boßnfücße ober ber E)aupttages- 
rooßnraum oon etma fecßs $erfonen benußt, bie fid) mäßrenb ber 
16 Dagesftunben ool^äßlig ober 3 um Deil in ißr aufßalten, bie brei 
Sdjlafräume aber in ber meit fü^eren fteit nur oon je 3 toei *ßerfonen. 

3m Dagesmoßnraum mirb gefocßt, gereinigt, gearbeitet, gelefen, 
ajusgerußt u. a. m., er erforbert eine große *8emegungsfläd)e für bie 
fecßs ^erfonen ber Familie, aucß ßinficßtlicß ber SUnber, bes Stocßens 


27 



3lbb. 37. 23ticf gegen bie genftenmmb bes großen Xagestöc^tucmmes. 


unb anberer häuslidjen Verrichtungen mehr. Der Dagesmohnraum 
b 3 tD. bte SSo^nfüdje müffen bafjer eine grofje ©runbfiäche Ijaben non 
minbeftens 20 qm mit ©ifeerfer unb Valfon, er muft fernerhin 
Anbetracht ber Vfenfchenhäufung, ber langen Venufeungsseit, ber £od) 5 
unb ©ßbünfte, bes Sabafrauchens ufm. ungefähr bie Hälfte bes nach 
Anforberung ber ^qgienifer für eine ^ieinmoljnung nötigen ßuftraumes 
non 30 cbm für bie $erfon, alfo 6X15=90 cbm Rauminhalt umfaffen. 

Die 6d)Iafräume hingegen tnerben in Vetnegung nur beim Am 
unb Ausfleiben, fomie bei ihrer Reinigung benufet, alfo tnenige Minuten 
am Sage. 3t)re eigentliche Aufgabe bient bem 6<hlafbebürfnis. $ür 
bie Dauer feines ©chlafes aber liegt ber ÜUlenfd) im Vett, benötigt alfo 
feinen Vetoegungsraum. ©obann h^en fttf) in ben ©d)tafräumen 
nicht fe<hs, fonbern nur burchfchnittlid) 3 tnei ^erfonen auf, fie tnerben 
nicht bei 6onne, fonbern bes Machte benufet. Die ©chlafräume fönnen 
baher im (Segenfat) gum großen unb tyotyn Sagestnohnraum non ge- 
ringer ©runbfläd)e fein, je nach Veftimmung 8 — 14 qm unb ebenfo. 


28 





gute lagesbelicßtung urtb sureicßenbe ßufterneuerung oorausgefeßt, oon 
geringer f)öf)e, etwa 2,2*0 m, bie- 3ur' -freien Bewegung bes ©tenfcßen 
unb aur ©uffteltung ber ©lobet ausreidft. Stefjnticfjes gilt oon ber 6püt= 
füdje, bie aud) nur oorübetge'benb oon wenigen ©erfonen benüßt wirb, 
wie aucf) oom 2lbort> oon'V^tgangsfiure'n ufro/- /(& fteßen fiel) atfo 
grunbfäßtief) 3 wei große, getrennte ©aumbegriffe, gegenüber: große unb 
ßotje Jagesrooßnräume, «eine unb niebrige ©tpaf* unb ©ebenräume. 

♦ \ 


2tus fotdjen unb anberen (Erwägungen ift bas Doppetftocffjaus 
entftanben, beffen äßefen, ©ufbau unb ©nwenbung in ben beigefügten 


29 







TO. 1 


TO. 2 


Segnungen angebeutet ift. Der ©runbgebanfe bes Doppelftodljaufes 
ift folgenber: ein recfytediger, aiemlid) f)of)er 2 Bofynungsförper ift feiner 
Diefenausbeljnung n ad) burd) fenfred)ten Sdjnitt in amei Deile gerlegt. 
Den oorberen, tieferen Deil in ganaer 5)öf)e als Sßollgefdjofc nimmt ber 
Dagesmoljnraum bam. bie 2öof)ntüd)e ein. Den Hinteren, ftiraeren Deil 
bilben amei #albgefd)offe, bie bie 6 d)laf= unb Sftebenräume umfaffen. 
Durd) ben oberen ßuftraum ber 2Bof)nfüd)e ift unmittelbar an ber 
Slufjenmanb bes Kaufes ein SSerbinbungsgang burdjgeftofcen 3 U ben 
5)aupttreppenl)äufern, bie burd) biefe Anlage erft in großen 2 lbftänben 
notmenbig merben. 2 Son biefem unmittelbar belichteten unb gelüfteten 
©ang aus gelangt man burd) bie 28ol)nungseingangstür über eine 
©alerie an ben Düren ber obe* 
ren halbgefdjofjräume oorbei Xlnterffocf 



auf einer fleinen Dreppe in 



SlbBilbungen 

3—5 




Das Doppelftocfljaus. 
Sdjnittjeidjnung unb tgpifdje ©tunbriffe 


30 


ben großen Tagesmohnrautn hinab, öer mit ^erbnißhe, ©ißerfer, ßoggia 
ausgeftattet ift. Aon ihm aus betritt man bie *Räume bes unteren $)alb= 
gefdjoffeö, bas britte ©chlaf 3 immer, Spülfüche, 2 tbort. 

Abbilbungen mögen biefe Ausführungen oeranfchaulichen. Abb. 1 
3 eigt einen einfachen ßängsfchnitt burch bas übliche (Einfamiliem 
reihenhaus ber giachfiebelung, Abb. 2 bringt Fortfall ber 
öecfe im oorberen ^austeil, fo baß ein ewiger hoher Aaum entftehß 
ferner $)erabfeßung ber gefamten lichten $)öhe biefes ^Raumes auf4,50 m, 
bie ber hinteren 5)albgefchoffe auf je etma 2,20 m. Abb. 3 seigt bie fo 
entftehenben SBohnförper aufeinanbergefeßt. Durch oberen ßuft* 
raum ber 2Bof)nfüche, unmittelbar an ber Außenmanb, ift ein ßtuer* 
gang burchgeftoßen, ber 3 U ben ^aupttreppenhäufern führt. Aon ihm 
aus betritt man bie Ahnung. Unter bem (Sange befinben fleh <5iß s 
erfer unb ßoggia, fo baß fein Außraum oerlorengeßt. 3 m (Srbgeßhoß 
finb bie Ahnungen unmittelbar oon außen 3 ugänglich, benötigen bes= 
halb feiner Aerbinbung 3 um Treppenhaus. Abb. 4 unb 5 seigen ben 
tgpifchen (Srunbriß bes Doppelftocfhaufes. Als Aeifpiel gemählt ift 
ein Tpp oon 5 m Areite. AUr fehen bie Anorbnung ber brei ©chlaf* 
räume, ber ©pülfücße, bes Aborts. Der #erb liegt unter ber ,3ugangs= 
galerie in einer Art ÜRifche, bie ihn aus ber A$ohnflä<he abteilt, kleben 
ihm, unmittelbar am Fünfter, hat ber Mcßentifch $laß, auf bem bie 
©peifen 3 ubereitet merben. Daneben liegt bie Tür 3 U ber ßoggia, bie 
mit etma 5 qm Flächeninhalt unb etma 1,85 Tiefe mirflich nußbar 
ift für bie Familie, ba fie genügenb gefeßüßten ©iß unb Aemegungsraum 
im Freien bietet, ©cßräg gegenüber bem #erb befinbet fich ber ©iß* 
erfer oon gleicher Tiefe mie bie ßoggia unb etma 2,25 m breit, fo baß 
Aanf, Tifcß, ©tüßle ausreießenb Aiaß haben unb Aemegungsraum 
bleibt, mobei hoch bie ©rfermirfung gefiebert erfdjeint. Der (Erfer betont 
ben 2ßohnteil bes ^auptraumes, feine Trennung oom $ochteil. An 
ber Aücfmanb, in ber ÜRähe bes derbes, befinbet fich bie Tür 3 ur ©pül= 
füche, baneben bas (Slternfchlaf 3 immer. Diagonal fteigt im 5)intergrunb 
bie fleine Treppe aufmärts, bie 3 um 3 meiten ©chlafsimmer, 3 ur 
©chlaffammer, unb an ihnen oorbei 3 ur ASohnungstür am Aerbinbungs* 
gang führt. Unter ber Treppe bleibt ein mehrere Quabratmeter großer 
9taum 3 um Abftellen oon menig gebrauchten ©aeßen übrig, bie alism 
häufig bie ^leinmohnungen beengen. 

©o 3 eigt fich bie fleine Ahnung mie ein oollfommen in fich abge* 
fchloffenes Aaumgebilbe, bas nicht nur 3 urei<henbe !Tlußfläd)e unb erfor* 
berliche Aaumsahl bietet, fonbern auch burch bie *Raumfontrafte, bie 
^öhenunterfchiebe, bie mechfelnben Ausmeffungen, burch bie $)erbnifche, 
ben ©ißerfer, bie ßoggia, mie burch bie Aaumbiagonale ber Treppe bem 
Auge unb bem fuchenben 5)eimempfinben mertoollen Anhalt bietet. 


31 


5,50 


TO). 6 


2Cbb. 6 bringt einen SBergleid) ber ßid)t= unb Öuftgufuljr ber jefeigen 
Metmoljnräume ber (Brofeftabt mit ben ^teinräumen bes neuen Kaufes, 
©egemoärtig fyaben bie *Räume nielfad) 5,5 m £iefe unb mef)r, bei etma 
3,3 bis 3,5 m lidjter $öf)e. Der neue Sfteinraum ift in ben üuerfdjnitt 
eines folgen -Senners eingegeidjnet, mobei erfid)tlid) toirb, baft ßi$t= 
unb ßuftgufufyr im SSertjälinis unneränbert bleiben. Denn — mie fdjon 
früher betont — ftel)t bie Raumtiefe in engfter Sßedjfelbegietyung gur 
!Raumf)öl)e. Ermäßigung ber einen, mad)t entfpred)enbe ^erabfeßung 
ber anberen möglich unb notmenbig. 

Die folgenben Stbbilbungen geigen eine Variante bes Doppelftod* 

baues, bie bei nidjt umnefentlidjen 2lbmanblungen bas gleiche Siel oer* 

■-~*m 



32 


Das Doppelftodijaus. 

Variante mit Sdjnitt unb tnptfdjen ©runbriffen. 



folgt. Der burchlaufenbe (Bang au öen ^aupttreppenhäufern ift in 
2lbb. 7 nicht gesoffen, fonbern offen, moburd) es möglich ift, Heinere 
Sebenräume, toie Spülfüche, Sab unb 21bort, Sorplaß nad) biefem 
offenen ©ange, au entlüften unb au belichten. 3n biefem Sali läuft ber 
(Bang in gleicher fyöfye mit bem Qmßboben ber 2Bohnfüche, bie Schlaf* 
räume finb als befonberer Dberftocf barüber angeorbnet unb oom Sor* 
plaß burch eine Heine Xreppe augänglid). Der ©ang ift naturgemäß 
breiter als in 2tbb. 1, um genügenben Schuß oor SBitterungseinflüffen 
au geben, bie Säume bes Unterftodes höher* 21u<h hier finb Sßohnfüdje, 
brei Sdjlafräume, ©rfer, Salfon unb Sebengelaß oorhanben. (21bb. 
8 unb 9.) Die Anlage hat einaelne Soraüge, bod) fcßeint im gan 3 en ge* 
nommen, oor allem l)infid)tlid) ber Saufoften, bie 3 uerft befprocßene 
fiöfung oorauaieljen, fo baß fie ben folgenben Ausführungen burdjgängig 
augrunbe gelegt ift. 

Abb. 10 unb 15 aeigen eine Anaahl oon Xtjpen bes Doppelftod* 
Kaufes ber erften t?orm in Sreiten oon 4 Steter, 4,5 Steter, 5,5 Steter. 
3m mefentlichen ift bie Anorbnung bie gleiche toie bei bem ausführlich 
befprocßenen 5*Steter=Xpp. Abmanblungen ergeben fich burch bie 
©rößenunterfchiebe, bie ebenfo in ber 58autiefe möglich finb toie in ber 
SBohnungsbreite. ©s fei an biefer Stelle betont, baß bie Anmenbung 
bes Doppelffodhcmfes an bie toiebergegebenen Saumeinteilungen feines* 
toegs gebunben ift. So ift es möglich, bie Küche nach rüdtnärts au (egen 
neben bie Spülfüche, bie Sifche unter ber ©alerie bagegen aum Auf* 
ftellen oon Setten au benußen unb gegebenenfalls burch einen Sorhang 
oom eigentlichen 2Bof)nraum au trennen, ©benfo fann beifpielstoeife 
ber Xpp oon 4 Steter Sreite mit nur atoei Schlafräumen ausgeftattet 
toerben, inbem bie Kammern bes Oberftocfs au einem Minimer oereinigt 
toerben. Denn bei aller Ueberfüllung ber SBohnung finb gamilien nicht 
feiten, bie burch &ie 2frt ihrer Sufammenfeßung nur ameier Schlafräume 
bebürfen. Die Zeichnungen follen nur ermeifen, baß auch beim Heinften 
Xpp bie Anorbnungen oon 2öof)nfüche unb brei Schlafräumen mit Sehen* 
geraß möglich ift, baß niebrige Stietpreife fein ^inbernis finb aur ©r* 
füllung ber Sorberungen, bie am ©nbe bes erften Seiles aufammen* 
gefaßt mürben. 

Abb. 16 bis 19 geben eine Saumanorbnung mieber, bie bei 
größeren Sppen oielleicht angebracht ift. Die Sreppe liegt hier nicht 
frei im f)auptmof)nraum, fonbern ift in ein eigenes Heines Sreppen* 
haus oerlegt. Unter ihrem ßouf=!ßobeft hat eine Sabegelegenijeit unb 
21bort Slaß mit ßicht unb £uft aur £oggia. Der ^auptraum geht 
mieber burd) amei flalbgefcboffe, mährenb bie Kochgelegenheit in eine 
befonbere Küche oerlegt ift. So haben biefe Sppen 2$ohnaimmer, Küche, 
brei Sd)lafräume, Sßb, ©rfer, ßoggia, alfo oier Ziwwer mit Küche 


3 


33 




unb Iftcbengelag. 3m eigentlichen Sinne finb biefe Xppen feine &lein* 
mohnungen mehr, hoch fei barauf htngemiefen, baß ber Btittelftanb 3U* 
reichenbe unb billige ^Bohnungen ebenfo bringenb braucht mie bie 
geringeren ©infommenflaffen. 5)eute ift fehr häufig eine geeignete 
2 ßohnung für ben Sftittelftanbsmenfchen nur 3 U befrfjaffen burch 
Eingabe unnerhältnismägig hoher SJtittel, bie bie fonftige an fid) [chon 
enge ßebensführung meiterhin ferner beeinträchtigen unb unerfreulich 
geftalten. 2Bie fich rechnerifch biefe 2Bohnungen neuen Spftems 3 ur 
heutigen 2 Bohnform bes 9Jtittelftanbes ftellen, fall hernach näher unter* 
fucht merben. 

lieber bie Slusgeftaltung ber Doppelftocfmohnungen einige 2Borte. 
Die 93alfenlage ift gebacht 3 mifchen ben 95$ohnungstrennmänben, bie 
3 ugleich ber Duernerfteifung bes Bauförpers bienen. So finb im 3nnern 
ber SBohnungen nur leichte 2Bänbe nötig, etma 9,5 Zentimeter ftarfe 
Sd)memmfteinmänbe. Die 2lbfchlugmanb 3 ur ßoggta unb 3 um 93er* 
binbungsgang ift ab 20 Zentimeter ftarfe Sthmemmfteinmanb gebacht. 
Die ©alerie ift über bem £jerb ungefähr 1 Bieter breit, nor ben Schlaf* 
3 immern gleich ber kreppe nur etma 80 bis 85 Zentimeter. Ob bleibt 
fo an ber SBohnungseingangstür $lag 3 ur Bemegung unb 3 um 2lus* 
meinen, mie 3 um 2 (ufhängen non ©arberobe, an ber rechtminfligen 
Biegung ber ©alerie ift noch genügenb Baum norhanben 311 m 2fufftellen 
eines Btöbels, eines Beifeforbes, non $ahrräbern u. bergl. Die 
9ßohnungseingangstür ift gegen ben ©ang etma 50 bis 60 Zentimeter 
3 itrücfoerIegt, um einen ungehemmten 93erfehr im ©ange 3 U ermög* 
liehen, auch n>enn nor einer 953ol)nungstür fich ^erfonen aufhalten. 
Diefer ©infprung ermöglicht ferner, ber über ber ©rferöffnung auf* 
fteigenben inneren 9ßanbflä<he burch ein feitliches nicht burchfichtiges 
genfter neben ber Zur noch ßicht 3 U geben. Die Söohnungseingänge, 
non benen ftets 3 mei nebeneinanber liegen, merben nollbeleuchtet burch 
ein breites fünfter in ber gegenüberliegenben Seite bes ©anges, bas 
als $enftertür hinter einer norfpringenben eifernen 95rüftung bis 3 um 
^ugboben fid; öffnen lägt. Zünften biefen $enftertüren ift ber ©ang 
fortlaufenb belichtet burch rhptl;mifch angeorbnete ©lasprismen ober 
auch Heine feft eingefegte Scheiben non etma 40 auf 40 Zentimeter. 
So ift biefem Bauförper ausreichenbe ßicht* unb ßuft 3 ufuf)r gefiebert. 
3m 3nnern ber 2öot)nung mirb über bem #erb mohl 3 mecfmägig ein 
Bkafenfang angebracht, ber $)er b felbft zugleich als £)ei 3 gelegenf)eit für 
ben f)auptraum ausgebaut Zur ©rfparnis non ©nt* unb 93e* 
mäfferungsfträngen finb Spülfüdjen, 9Iborte 3 tneier Söohnungen immer 
3 ufammengelegt, bie Belichtung bes Abortes führt nicht über bie Spül* 
nifdje hinrneg, mie leiber noch immer sumeift üblich, fonbern geht in 
einen 50 Zentimeter breiten ©ang hinter ihr norbei, ber begehbar ift 
unb ©ntlüftung unb 93elichtung bis 3 um Qfugboben geftattet. Die 


3* 


35 


•Stoifchenberfe amifchen ben Schlaf* unb ÜRebenräumen ber f)albgefchoffe 
ift nur aus einer SBalfenlage unb ftarfen gefugten ^Brettern gebaut, ba 
eine ftärfere Trennung burch Sroifchenlogen in ein* unb berfelben 2Boh s 
nung nicht notmenbig erfcheint. So regnet bie 23alfenhöf)e noch aur 
lichten f)öl)e bes Unterftodes, ber fomit ungefähr 2,25 t)o d) ift. Diefe 
2lnorbnung entfpridjt ben neuerlich für (Einfamilien*Siebelungsbauten 
augebilligten (Erleichterungen. 

Sei ber (Erfteliung folcfjer SBohnung märe es oietlei cf)t münfchens* 
mert, einen STeil bes Mobiliars feft miteinaubauen. 2)as ift nicht nur 
oon 2Bert für ben Bieter, ber ficf) in üfteuanfchaffungen mirtfchaftlich 
fehr bekrönten !ann, fonbern no d) mehr faft für bie Sicherung ber 
2trt, in ber bie SBoßnung am beften benußt mirb. So fönnte oerhinbert 
merben, baß erreichte 23oraüge burch falfche unb nachteilige ?8enußung 
ber Söohnung aufgehoben merben. 2ln eingebauten ÜDtöbeln märe in 
ben fleinen Xppen oon 2Bert eine 25anf auf einer (Erferfeite, oielIeid)t 
auf beiben, ebenfo ber (Erfertifch- (Ein ^üdjentifch am ßoggiafenfter 
linfs oom E)erb, ein Stüchenfcßranf in ber 3inimerec!e rechts oom #erb. 
(Ein 5Banbfchranf im 2Binfel ber (Salerie, eine £ruf)e ober S^ommobe 
im Sßinfel bes Xreppenlaufes, Spütbrett unb Xopfbretter in ber Spül* 
füche. 2tußerbem nach 9ftöglid)feit 2Banbfchrän!e; ber große 2tbftell* 
raum unter bem Xreppenlauf mar fchon ermähnt unb fann teilmetfe 
in Schranfform SBenüßung finben. 3air bie ßoggia finb SBanf unb 
Sltapptifch, oieüeicht auch SSorratsfcßranf, münfchensmert. 

♦ 

SBirtfdjaftlidjtieit bes Soppelftodthaufes. 

(Erfreuten fo Aufbau unb ^orrn bes 2)oppelftodhaufes im mefent* 
liehen ftargeftellt, fo ift bie mirtfchaftliche Seite bes näheren au be* 
leuchten. Unter ben täglieh methfelnben ^reisoerhältniffen auf bem 
SBaumarft unb bei ber oölligen Unmöglichfeit, irgenbmelehe 2öaf)r* 
fcheinlichfeitsmerte für bie fommenbe {faiebensaeit anaunehmen, ift es 
nicht angängig, ein SBaufoftenanfchlag für bie 2)oppelftodmol)nungen 
au bringen. 2Beit fixerer unb auoerläffiger laffen f xd) ber mirtfd)aftli<he 
2Bert unb bie SSaufoftenfrage bes Doppelftodßaufes auf bem 2Bege bes 
Vergleiches Hären. 

Von oielen Seiten finb bes öfteren ^Berechnungen oorgenommen 
morben, bie ermiefen hoben ober erroeifen follten, baß bas (Einfamilien* 
haus auf billigem Voben ber {^lachfiebelung au gleichen ober annähernb 
ähnlichen Säßen au errichten fei mie eine ^JMetsetagenfleinmohnung in 
ber (Sroßftabt. Diefe Unterfuchungen mögen hier als befannt ooraus* 
gefeßt merben, fie finb unter medjfelnben Verfjältniffen mehr ober 
meniger autreffenb. Die Siebelungspropaganba arbeitet gern mit 


36 


ifenen. Sollte biefe Hnnafjme nur annäfjernb gu beftefeen, fo ift 
offenficfetlid), bafe (Einfamilienreifeenfeäufer bei mefentlidjer 5)erQbfefeung 
ber ©efamtfeölje, übereinanbergeftellt, auf gleichem SBoben über nur 
einem gunbament unb unter nur einem Dad) oereinigt, in 53aufoften 
fefer erfeeblid) billiger fein müffen als Heifeenfeäufer in ber glad)= 
fiebelung. Unb bas ift notmenbig, menn Slleinmofenungsneubauten in 
irgenbeiner gorm bie Hufgabe ber ÜHaffenoerforgung Iöfen follen. 

klarer pieIXeid)t nod) mirb bie mirtfdjaftlidje fiage bes Doppel* 
ftocffeaufes burd) einen Hergleid) mit ben jefeigen iUeinmofenungsformen 
ber ©rofeftabt. So finb in nacfefolgenben Unterfudjungen ©rfaferungs* 
merte neuerer -3^* mit 93ered)nungsmerten entfpredjenber Doppelftod* 
tppen gufammengeftellt, mobei 3 ugleid) bie fefer mefent(id)e (Erfeityung 
ber Hufeflädje unb ber Haumgafel ^Beleuchtung erfährt. 

♦ 


Der fleinfte Dpp bes Doppelftocffeaufes ift ber 4=3Heter=Xt)p. 
(Dpp 1 .) 5Bei 4 Steter Breite, 4,5 Hfeter i)öfee, etma 9 Steter Diefe 
umfafet er 162 Shibifmeter umbauten Raumes ober unter Hbgug oon 
15 ^ubifmeter für ben Herbinbungsgang an rein umbauten 5öofenraum 
147 Sfubifmeter. 

Der fleinfte Xpp ber gegemoärtig üblichen SBaumeife ift bie 
UBofenung oon einem 3 immer unb &üd)e, bie unter günftigen 23erl)ält* 
niffen etma 42 Ouabratmeter $läd)e bei 3,5Hfeter lichter 5}öfee umfafet, 
alfo gleichfalls an umbautem Haum 147 Shibifmeter. 


1 Sanier 
1 $üd)e 


Hergleich : 

früher: jefet: 

runb 20 qm 1 9Bot)nfüd)e runb 20 qm 

„ 17 „ 1 Schlafgimmer 13 „ 

— 2 Kammern guf. 16 „ 


2 Huferäume 37 qm 

fomie Hebengelafe. 4 Huferäume gleich 49 qm 

jomie Hebengelafe. 

HeigleicherSlubifmetergahlumbautenHaumes, 
alfo bei annäfeernb gleichenHaufoftenfinb beim 
Doppelftocffeaus gewonnen: 3 n)e i Huferäume unb 
12 Quabratmeter Hufe fläche. Das Ergebnis geigt 
eine Hergröfeerung bes nufebaren Haumes ber 
SUeinmofenung um 33 r o 3 e n t. 


♦ 


(Es folgt ein 3®ifd)entpp oon 4,5 SHeter Breite (Dpp 2 ), ber in ber 
heute üblichen Haumeife feine unmittelbare Hergleid)smöglid)feit be= 


37 


ftßt. Vei etma 170 Shibifmeter umbauten Raumes bietet ber 4,5=9tteter 
Xt)p: 

2ßot)nfüd)e mit (£rfer unb ßoggia 25 qm 

1 6 d)laf 3 immer 15 „ 

2 6 d)laf 3 immer 3 u(ammen 18 „ 


4 üftußräume non sufammen 58 qm 

fomie 9tebengelaß. 

Zx)p 2 erreicht gegenüber £qp 1 mit 20 Duabratmeter umbauten 
Raumes metjr eine Vergrößrung ber ÜKußfläcße um 9 Duabratmeter, 
ein $t\d)en bafür, baß mit fteigenben Söoßnungsgrößen aucf) ber (Be* 
minn an üftußfläcße im Vergleid) 3 ur alten Vaumeife größer mirb. 

Ser nun folgenbe 5=9Jleter=Xqp (Xtjp 3) entfpricßt bem heutigen Xqp 
non 3 tnei ^inimern unb Slücße, bietet alfo gute Verglei^smöglicßfeit. 

Sie üblicße 2 öof)nung non 3 mei 3 immern unb Mcße fyat etma 
56 Duabratmeter bei 3,5 3Mer Vaumfjölje, alfo an umbautem Vaum 
196 Shibifmeter. 

Xqp 3 bes Soppelftocffjaufes ift 5 2Mer breit, 4,5 Vteter f)od), 
9,5 Bieter tief, gleicß 213,75 Shtbifmeter groß. Vringt man etma 
18 Shtbifmeter für ben Verbinbungsgang in 2 tb 3 ug, fo nerbleiben an 
umbauten 2öoi)nraum gleichfalls 196 Shibifmeter. 


Vergleich: 


früher: 

1 Simmer runb 20 qm 

1 girnmer „ 16 „ 

1 tüd)e „ 13 „ 


3 Dlußräume 3 uf. 49 qm 
unb Vebengelaß. 


jeßt: 

1 SBofjnfücße ufm. 27,5 qm 

1 Spülfücße 6,5 „ 

1 6 d)Iaf 3 immer 12 „ 

1 Scf)Iaf 3 immer 12 „ 

1 Kammer 8 „ 


5 Vußräume 3 uf. 66 qm 
unb Vebengelaß. 


Veiglei<f)er$ubifmeter 3 af)lumbautenVaumes 
finb beim Soppelftocfßaus gemonnenen 3 mei 97uß* 
räume unb 17 Duabratmeter üftußfläcße, bas be* 
beutet bei annäßernb gleichen Vaufoften eine 
Vergrößerung bes nußbaren Vaumes ber SUein* 
tnofjnungum 35 Prosen t. 

(Es folgen bte £gpen non 5,5 m, 6 m, 6,5 m Vreite (Sqp. 4, 5, 6 ). 
Von itjnen fönnen beifpielsmeife beim 6 *m = Xt)p mit Vücfficßt auf 
2Iboerntietung ein großes 6 ct)laf 3 immer unb brei Scßiaffammern ange* 
orbnet merben, fo baß bie 2Bof)nung, Smum^ &üd)e, Vab unb nier 
Scßlafräume umfaßt, alfo fünf Zimmer unb Slüdje bei 240 cbm um* 


38 


bauten Raumes, mäßrenb bie üblichen Drei*3immer=9Bobnungen mit 
Sfücße bereits über 300 cbm umbauten Raumes erforbern. 

6 <ß o n ber 5 = m = X i) p bietet eine g ü n ft i g e A n o r b = 
nung non brei Zimmern mit 9öobnfücße unb 6 p ü 1 * 
f ü <ß e , bie nod) nid)t 200 cbm umbauten Raumes er* 
forbern. Die heutige Drei*3immer*9öobnung mit 
®ücße bagegen oerlangt mit nur o i e r 51 u ß r ä u m e n 
um über 50 ^ro^ent mei)r an umbauten Ütaum, i ft 
alfoumbie^älfteteurer. 

An #anb biefer recßnerifcßen Reifpiele erfcßeint bie mirtfcbaftlicße 
Sage bes Doppelftocfßaufes ausreicßenb flargeftellt, feine toertoollen 
©igenfcßaften in biefem fo mistigen fünfte 3 ur ©einige beftätigt. 

♦ 

3 ufammenfaffenbe Betrachtung ber bis* 
berigen Ausführungen 3 c i g t bie un 3 toeifelbaft 
großen Borsüge bes Doppel ft ocfßaufes. © s erfüllt 
f ä m 1 1 i cß e arn 6 cß l u f f e bes erften X e i l e s fe ft ge ft eil* 
ten Bebingungen für eine mirtfcßaftlicb, f 0 3 i a I unb 
gefunbßeitlicb m i r f I i cf) tu e r 1 0 0 1 1 e SUeinmoßnng. 
3m Doppel ft ocfbaus bat jebe 9B 0 ß n u n g Quer* 
lüftung, bennocb !ann eine beliebige 3 a b l n 0 n 
Wohnungen an ein Xreppenßaus gelegt merben. 
3m Doppel ft ocfbaus befinbet f i cf) fein bunfler 
3 n n e n f l u r , ift ber B e r I u ft an toten Aufmenbungen, 
b. b- an Xreppenbäufern unb glurraum, auf ein 
Bti n b e ft m a ß befcbränft, ba ficß unter bem a l b ft 0 cf 
bes 9Bobnganges noch ©rfer unb ßoggia befinben. 
Raum büße unb Raumtiefen ft eben in ange* 
meffenem 93 e r b ä 1 1 n i s 3 ueinanber, B e l i d) t u n g , 
ßüftung unb ßuftbemegung finb überall aus* 
r e i cß e n b gefiebert. 

Der größte 9Bert bes Doppelftocfßaufes aber 
beruht in ber X a t f a <ß e , baß nun e n b l i <ß bie fleinfte 
9B 0 ß vt u n g ber ©roß ft abt einen ßaupttrohnraum 
unb brei 6 cßlaf 3 immer befißt, gegenüber ben j e ß t 
üblichen oöllig unsureießenben ©in* unb 3 m ei* 
3immermoßnungen mit $ ü <ß e. Bei gleicher 3 ö ß * 
oon ^ubifmetern umbauten Raumes, alfo bei 
gleichen B a u f 0 ft e n unb Rlieten fteigt im Doppel* 
ft 0 cf ß a u s bie Rußfläcße jeber 3Ö 0 ß n u n g um 33 bis 


39 


35 *4$ r o 3 e n t , &. ß. oßneüflteßrfoftenifteinDrittelunb 
rneßr an üftußfläcße sugunften bes Bieters ge» 
m o n n e n. 

Diefer für SUeinmoßnungen überaus inert* 
Dotle Snniacßs an üftußraum mirb burcß Sorsüge 
anbererArtergänstunbermeitert. 3ebe2Boßnung 
ift ein in f i d) abgefcßloffenes oollftänbiges ©insei* 
ßaus, äßnlicß bem ©infantil ienßaus ber gl acß* 
fiebelung, an bem bie gemeinfame Straße oor* 
überführt. !D i e (Brößenunterfcßiebe unb m e cß f e l n * 
ben #ößen ber Säume, 5)erbnifcße, Sißerf er, ßog* 
gia, bie Diagonale ber Xreppe im Saum ergeben in 
(Bemeinf cßaf t mit einer marinen farbigen Seßanb* 
(ung einbrucf soolle Saummerte für ben SJUeter 
unb bas (Be f ü ß l einer i)eimat in ben AHetsfafernen 
ber großen Stabt. 


♦ 


2)ic Slntoenbung bes 2)oppelftockl)aufes. 

A. ©inselbauten. 

©s mag auf ben erften Slict feßmierig erfeßeinen, bas Doppel* 
ftod!>aus bei ben üblichen Sauaufgaben ber (Sroßftabt stir Anmenbung 
SU bringen. Dur cß 9Jtenfcßenalter ßinbureß ift man gemoßnt, bas 
übliche oier* bis fünfftöcfige Attetßaus immer mieber su errichten, fo 
baß gleichartige Käufer, menn auch innerlich unsulänglicß unb areßi* 
teftonifcf) fcßlecßt, bas Straßenbilb beßerrfeßen. S)\e r fremdartige Sau* 
förper einsufcßalten, fönnte bebenfließ erfeßeinen, aueß muß snnäcßft 
oerfueßt merben, ob bas Doppelftocfßaus fieß ben heutigen (Brunbftücfs* 
formen anpaßt unb ob es ben gleichen 9htßen abmirft troß anbersartiger 
Aufteilung ber ^ausmaffe mie bas üfltietetagenßaus ber (Segenmart. 

Die Abb. 20—28 follen basu bienen, bie Sraucßbarfeit bes 
Doppelftocfßaufes für jebes beliebige Saugrunbftücf ber (Sroßftabt 
naeßsumeifen. Sei Durcßficßt ber 3 e ^nungen mirb man finben, baß 
bie (Brunblagen bes Doppelftocfßaufes feine ftarr? gorm bilben, bie 3 U 
bebenfließen Scßmierigfeiten füßren fönnte, fonbern baß fie fieß feßmieg* 
fam ber jemeiligen Aufgabe leießt anpaffen laffen. So ift es beifpiels* 
meife nießt nötig, ben SBoßngang bis su ben feitlicßen (Bremen bes 
(Brunbftücfes bureßsufüßren, es genügt, menn er ben Antritt su ben 
Sßoßnungseingängen erfcßließt. Die 2öoßnungen, bie an ben ©nben 
bes (Banges liegen, fönnen fomit ßößere genfter erßalten, falls bas 


40 


münfchensmert erfechten follte. SCßertooller erfcheint mir jene ©nippte* 
rung, bie in ben Zeichnungen aum 2lusbrud fommt. (2Ibb. 22, 23.) 5)ier 
i ft im Unterftocf nid)t eine Teilung ber 2Bohnungsbreite in ©rfer unb 
ßoggia oorgenommen, fonbent bie ßoggia liegt für fid) in ganjer SSreite 
ber 2öohnung über bem ©rfer b 3 to. ber Qfenftermanb bes Unterftocfes. 
Zugänglich ift biefer breite 23alfon oom 2Binbfang an ber 2öohnungstür 
bes Dberftocfes aus. Unter bem 2Binbfang Iinfs oom 5)erb im Unter* 
ftoef ift eine ©peifefammer angeorbnet, fo baß mieber ber 5)erb nifchen* 
artig gegen ben Söohnteil bes $}auptraumes aurüefgebrängt ift. 2lu ch 
bei biefer SInorbnung fönnen bie 2öoi)nungen an ben ©angenben nod) 
ßießt oon oben burch bie 9tücfmanb ber ßoggia erhalten. 

2lnbere 9DtögIid)feiten ergeben fi<h aus ben mechfelnben Aufgaben. 
Die unmittelbar rechts unb Iinfs ber Haupttreppe anjchließenben 2Boh= 
nungen geminnen ihrerfeits an fRaum im rücfmärtigen SBohnungsteil, 
ba fie fid) hinter bem Treppenhaus oerfeßen. ©s erfd)eint angebracht, 
bie fleinen Dtjpen tyex anauorbnen, ba bann ber 5)auptraum mit 
beifpielsmeife oier SReter ausreichenb breit ift, mährenb bie bei glatter 
Reihung etmas fnappen ©chlafräume mertoollen 53reitenaumad)s er= 
halten. Die größeren unb naturgemäß teueren SBoßnungen merben 
bagegen ameefmäßig an bie ©nben bes Söohnganges oerlegt, mo ihre 
abgefonberte ßage eine reichere Durchbilbung auläßt. 

Die 2lbbilbungen oeranfdjaulichen bie 2lnmenbung bes Doppel* 
ftoefhaufes auf SBaugrunbftücfe oon 11 m, 17 m, 21,5 m, 26,5 m gront* 
breite, unb amar ftnb 3 toei bis fünf Xqpen oerfchiebenfter 2lrt aufam* 
mengeftellt. 2lbb. 20, 21 3eigen amei Ttjpen au 4 m mit größerer 
^Breite ber *Ruf)eräume, 2tbb. 22, 23 je einen Xgp oon 4 m, 4,5 m, 5 m 
Breite, 2lbb. 24, 25 bringen je amei £t)pen au 4 unb 5 in ^Breite 3 ur 
2(nmenbung, 2lbb. 26, 27 einen £t)p au 4,5 in unb mieber je amei %x)pm 
oon 4 unb 5 m ^Breite. ©s ift erficßtlich, baß auch bei fteigenber 
2BohnungsaahI bie IRotmenbigfeit nur eines Xreppenhaufes unb babei 
hoch bie Querlüftung in allen SBohnungen erhalten bleibt. 

Dledjnerifche Ueberlegung aeigt, baß ©efamthausmaffe, haushohe 
unb Söohnungsaahl mit ben heutigen SSerhältniffen übereinftimmen, baß 
aber ber SBohnungsmert in 9hißfläche unb fRaumaaßl gana mefentlid) 
fteigt. 

©in ©runbftücf oon 21,5 m grontbreite (2lbb. 24, 25) mürbe unter 
heutigen Saugemohnheiten in jebem ©toefmerf brei Wohnungen oon je 
amei Zimmern unb Mcße ergeben, oon benen eine ohne Querlüftung 
eingebaut märe. 2llfo bei oiergefeßoffiger 3$aumeife amölf 5öohnungen. 
53ei etma 3,5 m lichter 5)öhe für bas ©efchoß mürbe bie Haushöhe etma 
15 m betragen. 

S3ei gleicher haushohe enthält bas Doppelftodljans in brei 23olI* 
gefchoffen auf jebem ©toefmerf oier 2Bof)nungen, alfo gleichfalls mieber 


41 


3 toölf Ahnungen. Steine oon iljnen ift eingebaut, ade Fjaben Quer* 
lüftung. 3ebe 2BoF)nung l)at ferner nunmehr brei 6d)lafräume unb 
2Bol)nfüd)e 3 ur Verfügung, bagu no cf) eine ©pülfütfje. Durcf) anbere 
Aufteilung bes ^ausförpers finb mit (5irtf(f)luj3 ber glure in beiben 
gälten gegenüber ber üblichen 9Jtietetagenbaumeife insgefamt ungefähr 
200 qm an giäcfje gemonnen. 

♦ 

B. 3Raffenmietf)äufer. 

3n ber (£igenfd)aft bes Doppelftocffyaufes als Xppenbau liegt be* 
grünbet, baft feine mirtfdjaftlirfjen 2Berte nod) meit flarer 3 utage treten 
als beim Aau eü^elner Käufer, menn burd) eine (Semeinbe ober eine 
gemeinnützige 93augefellfd)aft eine größere (Selänbeeinfjeit in 3)oppel* 
ftocfform bebaut mirb. 3n ber 3Jlöglicl)feit ber £ppifierung liegen, 
mie f)inreid)enb befannt ift, I)ol)e (Erfparnismöglidjfeiten, bie gerabe 
beim ^leinmofjnungsbau ber (Sroftftabt meiteftgefjenb Ausnutzung 
finben follten. 2)ie (Errichtung oon Doppelftocfmoljnungen in lang* 
geftrecften Aauförpern, in benen ftd) Xpp an Xpp, neben* unb über* 





Xlnterftotf; unb Dberfto(f*©tunbtif[e eines Kaufes oon 11,00 besto. 17,00 m 

grontlänge. 


42 








Unterbot! unb Dberftocf eines §aujes non 21,5 m Frontlänge. 




Unterftncf unb Dberftotf eines Kaufes non 26,5 m Frontlänge. 


43 











einanberreiht, in benen jebe SBohnung nad) smei Treppenläufern 2 Ius= 
gang finbet unb beshalb beren 3 ahl bis an eine untere Bütjlichfeits* 
grenje t)erabgefefet merben barf, mufj nun erft, losgelöft non anbers* 
artigen Bauförpern, bie eigenartigen SSor^üge einer neuen Baumeife 
uneingefchränft unb flar in bie (Erlernung treten taffen. 

Sie fleinfte (Einheit oon Unterteilen beim Bau oon Biietetagem 
Käufern ift bie 2öotjnung. 3t)re (Erforberniffe maren ausführlich be- 
hanbelt morben. (Ehe es möglich ift, ber (Errichtung oon Soppelftod* 
bauten im einheitlichen Blöd nähersutreten, erfcheint es notroenbig, 
bie ameite Einheit bes Biietetagenbaues etmas eingefjenber 3 U betrachten, 
bas einselne Stodmerf. 

Unleugbar liegen ftarfe Nachteile ber tätigen Söohnungsform 
in ber gleichartigen Behanblung ber einseinen Stodmerfe be* 
grünbet, bie (Erbgefchofc unb oiertes Stod 3 umeift über einen Seiften 
fchtägt, um mit ben übrigen Stodmerfen nicht beffer 3 U oerfahren. Sie 
am Anfang bes smeiten Teiles entmidetten ©runbgefefee ber Sonber* 
funftionsburchbilbung müffen, oom Sßohnförper aus* 
gehenb, in gleicher 2Beife auf (Eigenart unb Sebensbebingungen ber 
einseinen Stodmerfe eines Kaufes folgerichtige 2Tnmenbung finben. 

(Erbgefchoßmohnungen tonnen leicht in unmittelbaren Sufammem 
hang mit (Bartenhof ober ©arten gebracht merben unb einen unmittel* 
baren Sugang oon Straße, 5)of ober ©arten aus erhalten, ^ebenfalls 
ift nicht einsufehen, marum auch bk Swänge & en ®rbgefci)o^ 
toohnungen bas Treppenhaus belaßen Jollen, beffen (Entlaftung um 
V* bis % aller ^Bohnungen bes Kaufes auf bie angeregte Söeife leicht 
möglich ift. Sa (Erbgefchoßmohnungen ferner in ber Belichtung unb 
Suftsufuhr am ungünftigften geftetlt finb, fo muß bafür Sorge ge» 
tragen toerben, baß bie Fenfter bes (Erbgefchoffes höh er geflirrt merben 
fönnen als bie ber Dbergefdjoffe. ßuleßt ift bie 2 tnorbnung eines nicht 
3 u tleinen 2 Iufentl)altraumes im freien in unmittelbarem 3 ufammen= 
hang mit ben (Erbgefchoßmohnungen notmenbig, ba biefe Balfone unb 
Soggien nicht haben. 

(Erfte unb smeite ©efchoßmohnungen h a & c n teine Berbinbungs* 
möglichfeit mit Freiflächen, baher finb (Erfer für bas (Empfinben bes 
Sichtsutrittes oon mehreren Seiten, Balfone unb Soggien für ben 2Iuf* 
enthalt in freier Suft unbebingt notmenbig. (Es ift mertlos, fleine 
Balfone gleich wie Bogelnefter an bie E)ausfronten ansufleben, bie 
faum Blafe für ein ©artentifchdjen unb 3 toei Stühle bieten, aber 
f einerlei Baum für 2tuf enthalt unb Bemegung einer fechsföpfigen 
Familie in freier Suft. ©in Tifch, mit ber fchmalen Seite an bie 
Brüftung geftellt, ift 1 Bieter bis 1,20 Bieter lang. Sahinter muß 
noch (Siftraum ober $laß sum Borübergehen bleiben, fo baß ein Baifon 


44 


ober eine ßoggia minbeftens 1,50 bis 1,70 DOleter tief fein muß. %üx 
bie Breite gilt als Atinbeftmaß bas früher oom (Erfer ©efagte. 3eber 
Zentimeter mehr ift für ben feitlicßen Zutritt non ßid)t unb ßuft über* 
aus mertooll. ©in 93alfon non 1,70 9tteter Xiefe unb etma 2,60 9fleter 
ßänge, mie beim 5*9Jteter*Xpp bes Soppelftodbaufes, alfo non 4,5 
Quabratmeter ©runbfläcbe bürften einen guten Surd)fd)nitt barftellen. 
^ücljenbalfone, menn aud) nur fd)mal, finb feljr münfcßensmert, mie 
oben ausgefübrt. 

Sritte ©efcfjoßmoljnungen, b^m. bie 2ßoljnungen bes oberften 
6tocfmerfes Ijaben 93erbinbungsmöglid)feit mit bem Sad)e. 93ei 
genügenber 9tußfläcbe unb ^ureidjenbem Abftellraum in ber 2öol)nung 
ift bie Anorbnung eines befonberen Sacßraumes für jebe 9ßof)nung 
überflüffig. Xrodenräume für 2ßäfd)e in genügenber Ansabl bean* 
fprucßen nur einen geringen Seil ber Sacbfläcbe. Sas oberfte ©efcßoß 
ift in bejug auf ßicßt unb ßuft oon allen Stodmerfen am beften geftellt, 
aber leid)t übermäßiger (Ermärmung ausgefeßt, fo baß l)ier Quer* 
lüftung, 93emegungsfreif)eit unb ber Aufenthalt in frifcfyer ßuft not* 
menbiger finb, als in ben anberen ©efcßoffen. 

❖ 

Solche Seftftellungen maren oon (Einfluß auf bie ©eftaltung ber 
Soppelftod=93auanlage, bie in ben folgenben Abb. 28 bis 33 bargeftellt 
ift. Angenommen ift ein 93auförper oon 100 Sfteter ßänge, 10,5 SDZeter 
Siefe unb 15 ütteter S)ö f)e, ber (Erbgefd)oß unb amei Obergefdjoffe 
enthält. 

Abb. 29 unb 30 aeigen bas (Erbgefdjoß in ©runbriffen bes Unter* 
unb Oberftods. Sie 2Bol)nungen finb, mie (Einfamilien=*Reibenbäufer, 
unmittelbar oon außen jugänglid). So fommt ber querlaufenbe 93er* 
binbungsgang ben Xreppenbäufern in gortfall, unb im Xagesmoljn* 
raum fönnen bie Sanfter mefentlid) Ijößer geführt merben, fo baß eine 
gute ^Belichtung bes (Erbgefcßoffes ficßergeftellt ift. ÜUtan betritt bie 
9Bof)nung über menige Stufen burd) einen 953inbfang, über bem im 
Oberftod eine Speifefammer angeorbnet ift. Sie ©alerie ift troß bes 
fefjlenben 9Bof)nganges bod) über ben f)erb bis an bie Speifefammer 
f)erangefüf)rt, um bie nifdjenartige Abgefd)loffenl)eit ber ^ocßede ju 
magren. Alle 9ßof)nungen, and) bie ber Dbergefdjoffe, f)aben 9Bof)n* 
fücße, Spülfüdje unb brei Scblafräume. Saß oor ben (Erbgefdjoß* 
mobnungen Sißpläße im freien angeorbnet merben, ift aus fpäteren 
blättern erfi(f)tlicf). 

Abb. 31 unb 32 bringen bie ©runbriffe bes erften unb ^meiten 
©efcßoffes. Auf jebem ©efdjoß liegen 18 9ßobnungen an brei Xrepoen* 
bäufern, oon benen eines an jeber Scbmalfeite, bas britte in ber 9Jtitte 


45 





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21BB. 30Dberfto£f bes (Erbgejdjoffes. 



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47 


2IB&. 33 ßetteröefcfjög mit Sdjmalfpurgleije. 



bes 93aues auffteigt. So fommt auf je fedjs Wohnungen ein Treppen* 
haus, wobei hoch alle Wohnungen Querttiftung haben unb aubem jur 
Sicherung bei geuersgefahr Zugang au awei Treppenläufern. Sollte 
alfo eines non biefen oerqualmt fein, fo ift ber 9tücfaug über bas aweite 
Treppenhaus in jebem gälte gefiebert, womit ein großer Nachteil ber 
heutigen Maffenmiethäufer behoben ift. <3 u & cm finb burch bie 3 Us 
gänglichfeit ber (Erbgefchoßwohnungen oon ber Straße aus bie 
Treppenhäufer um % aller Wohnungen entlaftet, ein weiterer (Be» 
winn oon Wert. 3^>ifcf)en awei Haupttreppen finb je neun Wohnungen 
oon 5 Meter ^Breite angeorbnet, beren Hufbau ben früher befprochenen 
Tqpen entfpricht unb barum an biefer Stelle unerörtert bleiben fann. 

Tie 3ahi oon Wohnungen, bie auf ein Treppenhaus entfallen, 
entfpricht ber Sah* ber Wochentage. Tiefer Umftanb ift oon 3$ebeutung 
für bie ÜKußung ber gemeinfchaftlichen Hnlagen, bie an jebem Treppen* 
haus unb auf jebem (Befchoß angeorbnet finb unb alfo jeber gamilie 
an einem Tage ber Woche uneingefchränft aur Verfügung ftehen. 3n 
atoei Halbftöcfen, ber (Einteilung ber Wohngefchoffe entfprechenb, be* 
finben fief) hier unten eine Wafcfjfüche, barüber ein 23aberaum unb 
Hbort. So fann bie ^nbereitung oon heißem Waffer 31 ml Waffen 
gleichseitig auch bem SSabebebürfnis nußbar gemacht werben, währenb 
für beibe Qmzde weber bas Haus noch &as Stocfwerf oerlaffen werben 
muß. Wie untunlich es mit Hinficht auf bie ßubereitung gffens 
unb bie fBeaufficßtigung ber Kinber ift, wenn bie Wafcßfüchen bes 
Maffenmiethaufes im Keller liegen, wirb jebe Kleinbürgerfrau be= 
beftätigen fönnen. So ift \n ber bargeftellten Hnorbnung eine üfteue* 
rung oon Wert au erblicfen. Hm mittleren Treppenhaus ift noch ein 
Kolßenaufaug angeorbnet, ebenfo wie ein Müllfchlucfer, ber als ein* 
malige Hnlage in bem großen Haufe oon reichlicher Weite fein fann, 
unb bamit ber fonft häufigen (Befahr bes SSerftopfens oorbeugt. 

Huch biefe beiben Hnlagen follen bie Bieter entlaßen, ben Kinbern 
unb Hausfrauen Wege aum Hofe mit ferneren Mülleimern, oft bet 
böfer Witterung, erfparen, bas 93erfd)mußen ber Treppen oerhüten, 
ferner bas Schleppen oon ferneren Kohlenlaften aus bem Keller bis 
aum oberften Stocfmerf unnötig machen. 

Tie Wafcßfüchen bes (Erbgefcfjoffes finb mit ben augehörigen 
Wohnungen unmittelbar oerbunben burch eine Heine Treppe aum 
Heller, bie unter ber inneren (Balerietreppe abfteigt. (Hbb. 33.) So ift 
bas (Bepräge bes abgefcßloffenen (Einfamilienhaufes für bie (Erbgefcßoß* 
wohnung noch oerftärft. Hinter biefen Wafcßfüchen befinbet fief) ein 
abqetrennter IRaum für Sohlen, Kartoffeln ufw., währenb fich ähnliche 
Hbfchläge für bie Dbergefcßoffe jenfeits bes mittleren Kellerganges be* 
finben. Turch biefen Mittelgang bes Kellers führt ein Schmalfpur* 
gleis für ben SSerfehr oon Kipploren, um beifpielsweife größere 


48 


Mengen Sohlen unb Kartoffeln non ben ©chmalfeiten bes Kaufes be- 
quem 3U ben einaelnen Kellerabteilungen 3U fd>affcrr. Anberfeits 
fann ber Milli unter bem Müllfchlucker auf gleiche Art mit geringer 
Mühe fortgefdjafft merben. Diefe Anlage macht es möglich, einen trag- 
fähigen Ausbau ber E)öfe 3toifd)en ben SBohngebäuben burd) Afphal- 
tierung unb begleichen iiberfliiffig 3U machen unb baburd) mieber erheb- 
liche ©ummen (Selbes 3U fparen; bas fieben ber $)ausbemohner mirb 
gleichseitig oon einer unbequemen Arbeit entlaftet. 

♦ 

Slocfegeftaltung. 

Die (Seftaltung ber 2 öoI)nblöcfe ift oon entfcheibenbem Hinflug 
auf ben organifchen Aufbau ber mobernen (Sroßftabt. Die (Beßhäfts- 
oiertel mögen oon ftärkerem *ßulsfd)lag bes E)anbels- unb Berkehrslebens 
burchflutet fein, fie finb gering an Ausbehnung gegenüber ben 2 öol)n= 
quartieren, bie bamit bie eigentlichen (Srunbsüge bes (Bcficf>tee ber 
großen ©tabt bilben. 

3 n biefer (Erkenntnis hat man fid) fcßon mehrfach mit ben Auf- 
gaben ber Blodlöfung ernftljaft befdjäftigt, man h<ü fogar bie groß- 
ftäbtifcßen 2Bohnprobleme faft ausfd)ließlich aus bem ©efid)tsroin!el 
ber Blocfgeftaltung betrachtet unb babei bie heutigen Sßohnungsformen 
als im toefentlicßen unabänberlich oorausgefeßt unb übernommen. 
Man fucßte bas E)eil in neuen gönnen ber Blodlöfung unb fo finb in 
biefer Bicßtung eine gan3e Beifje mertooller Anregungen unb SSerfudje 
3U oer3eid)nen. (Erinnert fei hier nur an bie Borfcßläge bes Baurates 
Beblich, an bie Berfud)e $rofeffor Möbrings unb ^Prof. (Eberftabts, eine 
Mißhbaumeife betreffenb, an bie (Enttoürfe Hermann ganfens für bie 
Bebauung bes Xempelhofer gelbes u. a, m. Die roertoollften Aus- 
führungen über bie Probleme ber Blodgeftaltung finben fid) in bem 
Bkrke: „Die einheitliche Blodfront als Baumelement im ©täbtebau." 

Bon BSalter Kurt Behrenbt. Aid)t 3U oergeffen finb suleßt bie über- 
3eugenben Darlegungen Karl ©djefflers in feinem mehrfach ermähnten 
Sucher „Die Architektur ber (Sroßftabt." 

*■ 

Die (Ergebniffe biefer unb anberer Bemühungen l)kv aufsusählen 
unb 3U unterfuchen, ift nicht ©inn biefer Arbeit. Angeregt fei nur, bie 
mehrfach ermähnte Metfjobe ber ©onberfunktionsbetrachtung auch au f 
bie Blodgeftaltung ansumenben. 2 Beitergef)enbe Unterfudjungen mür- 
ben oon ben begren3ten Abfidjten biefes Buches fortlenken. ©0 feien 
nur kur3 einige funkte berührt, bie für bie Anmenbung bes Doppel- 
ftodhaufes in gan3en Bk>hnblöden oon (Einfluß maren. 


49 


Da ift sunäcgft bie fjrrage ber Belichtung. 3n glachfieblungen tft 
man heute ganj allgemein bemüht, bie Läuferreihen in ber ungefähren 
*Jlorb— Süb=9Uchtung aufsubauen, um ber eigentlichen üftorbfeite nur bie 
^orm eines }d) malen Querfchnittes ober einer (Biebelmanb 3 U geben, oor 
allem aber, um ben Beihenhaussimmern möglichft oiel Sonnenlicht 3 m 
fommen 3 U laffen. Die Bormiitagfonne beleuchtet bie Oftfeite, bie 
2lbenbfonne bie Bkftfeite ber Lausreihen. 2lnbers beim groftftäbtifchen 
Maffenmiethaus. Lier ift feine (Bartenfläche bei jebem Laufe, bie 
Lausmaffen sieben fieb nicht flachgeftrecft hin, fii d)i unb fiuft bereit= 
milligft Stritt bietenb, fonbern bie oierftöcfigen Mietgebäube bis sur 
Löhe oon 22 Meter ftnb eng aneinanbergepreßt, ber geringe Lafraum 
mit Seitenflügeln unb üuergebäuben oerftellt ohne oiel 9tücfficf)t auf 
Sicht unb Suftsutritt. Sicherlich aber haben biefe grofcftäbtifchen Maffem 
quartiere, beren gefunbLeitlidje ^Rad)teite immer mieber miffenfchaftliche 
geftftellung erfahren, gute Beleuchtung unb reichliche Sonne meit mehr 
nötig als bie fleinen Läufer ber meiträumigen ^lachfieblung. Das 
Ergebnis ift, baf* eine Unmenge oon (Broßftabitoohnungen, befonbers bie 
nach öer Dlorbfeite eingebauten unb bie ©rbgefchofpoohnungen, niemals 
oon einem Sonnenftrahl erreicht merben, toährenb ein anberer großer 
Deil nur 3 u beftimmten Qahresseiten unb für furse Triften ettoas 
Sonnenlicht erhält. (Es ift bemnach für bie (Beftaltung ber SSohnblöcfe 
ber (Broftftabt mit allem fftadjbrud bie gorberung aufsuftellen, bafs min= 
beftens für fleine ^Bohnungen bie ungefähre 9forb — Süb=Bid)tung ber 
Bauförper eingehalten toirb. gür größere, oielräumige SBohnungen ift 
biefe gorberung oon geringerem Belange, ba fie nicht eingebaut finb 
unb bie 3immer3al)l es geftattet, bie ^edbeftimmung ber (Einseiräume 
nach ihren ßichtoerhältniffen feftsulegen. So müßten, ftreng genommen, 
Meintoohnungshöufer ben meftlichen unb öftlichen Banb bes grofc 
ftäbtifchen SBohnblocfes bilben, toährenb bie 9torbfeite mit größeren 
Wohnungen 3 U beferen märe, beren Schlafräume bamit nach ©üben 
3 u liegen mürben. Die Sübjeite bes Blocfes bagegen müftte, menn 
irgenb möglich, gan 3 offen bleiben, ober nur mit einftöcfigen, höchftens 
Smeiftödigen ßabem unb Bürobauten gefdjloffen merben, bie ben (Ein= 
tritt bes Sonnenlichtes in bas Blocfinnere nicht hinbern unb bie Stiftung 
erleichtern. 3fi ber Blocf fehr gro^, fo bah teilmeife Snnenbebauung 
nötig mirb, fo müf$te biefe gleichfalls oon S'torben nach ©üben ge- 
richtet fein. 

♦ 

©ine srneite tJrage oon Belang ift bie ber Blocfentlüftung. (Es 
fann für bie Sufteraeuerung bes Blocfinnern feinesfalls genügen, menn 
an einer Seite bes Blocfes frgenbmie ein Schliß in ben Lausreihen 
angeorbnet mirb, ber bann nod) mehr ober meniger über= 


büin ift. (£i ne )old;e Deffnung, jelbft genügertbe Sreite oorausgefetjt, 
rft nur für bic 2Banb ber gegenüberliegenben SSohnhäufer oon Sorteil, 
im günftigften gatte noch für eine ©trecfe ber unmittelbar an biefe 
angrenaenben feitlichen Sauten. 5)eren größere ©trede aber ebenfo mie 
bie burd)brod)ene 5}ausmanb felbft t)aben feinen Xeil an ber Suft= 
erneuerung, befonbers bie Slocfecfen Hegen oöttig im toten SBtnfel. 
5)ier toirb eine ber fchmierigften grofcftäbtifchen Sebauungsprobleme an= 
gefdjnitten, bie grage ber ©dbauftetten, auf bie fura eingegangen fei. 

gaft ausfchliefjlich ift es üblich, bie (Scfbauten in ihrer 5)öhe burd) 
Dadjaufbauten nod) befonbers au betonen, menn ihre Überführung 
gegenüber ben angrenaenben (Sebäuben nicht möglich erfcheint. ©obann 
ift bie ©dbauftette burd) baupoliaeilid>e Regelung fel)r begünftigt, ba ber 
2lnfprud) auf fretbleibenben $)ofraum bei ihr fef)r gering ift. !Die 
Sorliebe für biefe ftarf ausbaunufebaren ©dbauftetten führt oft a 11 
abfonberlichen (Etnmirfungen auf ben Sebauungsplan. 3n ben (Ecf= 
grunbftücfen fallen bie Säume meift fefjr tief aus, flehen alfo htnfid)tlid) 
Sicht unb Suft mefentlid) f(hled)ter mie bie übrige Slocfmanb. Diefes 
Ergebnis toirb meiter oerfchledjtert burd) ben Umftanb, bafs an biefer 
©fette bie i)ausreihen im SMnfel aufeinanberftofcen, aulefet burch bie 
ermähnte 5)öhenbetonung ber Saumaffen. Son einer guten Stiftung ber 
rücfmärtigen Säume fann beim oöttigert Stängel einer Suftbemegung 
an biefer ©teile bes Slodinnern nicht bie Sebe fein, ©o merben an fid) 
fd)on ungünftig gelegene Säume nod) meiter beeinträd)tigt burd) Se= 
gleitumftänbe ber Sfocfgeftaltung. 

^lls Ergebnis folcher Ueberlegungen erftel)! bie Ueberaeugung, baft 
bie Slocfecfen nicht hochgeaogen, fonbern gerabeau recht niebrig gehalten 
merben müßten, haft bie Slocflüftung nicht burd) Durchbrüche ber feit= 
liehen Slocfmänbe au bemerfftetttgen fei, fonbern als Diagonallüftung 
burch bie Slocfecfen, baf 3 autelt aus ben ermähnten (Brünben unb 
megen ber ungünftigen SBohnungsformen in ben ©cfgrunbftücfen nur 
(Sefd)äfts= unb Sabenräume angeorbnet merben bürften, eine Stafa= 
nähme, bie fid) aus ber Häufung bes Serfehrs an biefen fünften 
augunften ber Sabenräume, auungunften ber 5Bol)nräume noch weiter 
begrünten fä^t. 

Sorgefd)(agen fei fomit für bie Slodgeftaltung ein l)öd)ftens anrei= 
gefd>offtger 2lufbau ber ßcfgrunbftücfe, bie nur gemerblid)e Säume ent= 
halten bürften. Die Slocflüftung mürbe auf biefe 2Beife ebenfo günftig 
geregelt mie bie Selid)tung unb Selüftung ber hoh^ feitlid) angren= 
aenben 2Bohngebäube, bie gleid)aeitig oom Serfehrslärm unb ber ©taub= 
entmicflung ber ©trajäenfreuaung ferngehalten mirb. 2Trd)iteftonifcf) 
fann bas ©tra&enbilb auf biefe 3öeife nur geminnen, aum mirtfd)aft= 
lid)en Ausgleich fönnte ein furaer Xetl ber red)ts unb linfs auf d)He^en= 


4 * 


51 


ben SBoJjnbauten ein Stodmerf mel)r erhalten, mas utnfo unbebenflidjer 
gefd>ef)en fcmn, ab btefe ©runbftüde ja nunmehr vom gtoeiten 6io-d 
an nad) brei 6etten freiliegen. 

♦ 

Bad) biefen grunbfät$lid)en ©noägungen gur Blodgeftaltung, bie 
fid) nod) meiter ausbauen liegen, mag bie Sdnorbnung non Doppelftod* 
Raufern in gangen Bßoljnblöden näljer ertoogen toerben. Bon großer 
Bebeutung ift i)ier gunädjft ber Umftanb, bajg bie für bas SMergefdjof* 
feftgeftellte 3ugänglid)feit non ber «Sdjmalfeite bes Baulörpers aus 
ebenfo für bie oberen ©todtoerfe bes Doppelftodl)aufes gilt. Daburd) 
ift eine oöllig neue 21norbnung ber ©ebäube möglich. Denn nun finb 
fie nid)t mefjr an bie 6traf$enflucf)t gebunben, fonbern tonnen, roo es 
bie 3)immelsrid)iung erforbert, redjtroinflid) gur 6trage flehen, toälprenb 
bte #öfe, beren fahrbarer Ausbau nunmehr überflüfftg ift, mit ©rün* 
anlagen ausgeftattet, in ©artenfjöfe oermanbelt toerben. 21bb. 28 geigt 
einen ©djnitt gtoeier 3BoI)ngebäube in einer folgen Anlage, bie näherer 
(Erläuterung bebarf. 

Die 6d)nittgeid)nung in 2lbb. 28 ftellt einen Seil bes Blodinnern 
bar. 3toei Bauten fielen fid) in einem 2(bftanb oon 40 Bieter gegen* 
über, ber burd) einen ^arfljof gebilbet mirb. Bad) biefem ^arfljof gu 
liegen fämtlidje Xagestoofjnräume, (Erter, ßoggia, 3öof)ngänge ber 
beiben Bauten, oor bett ©rbgefdjoffen finb je 5 Bieter tiefe ©artenpläfec 
im freien angeorbnet. 6ie traben bie BSofjnungsbreite oon 5 Bieter, 
alfo 25 Quabratmeter gläd)enint)alt, über fie t)imoeg gelangt man gur 
5)austür, toäljrenb fie gleichzeitig bie genfter bes ©rbgefdjoffes oom ©el)= 
meg entfernen unb fo bas 5)ineinfel)en oerf)inbern. Bor biefen ©arten* 
pläfeen entlang läuft ein ^iestoeg oon etroa 2 Bieter Breite, ber einen 
mittleren großen Bafenplatj oon 25 Bieter Breite umgieljt. Diefe 
breite Bafenflädje ift als baumbeftanbene 6pieltoiefe gebad)t, fie mag ein 
toenig tiefer liegen als ber ^iestoeg, toäljrenb bie ©artenplä^e oor bem 
©rbgcfdjojg jenen überl)öf)en. 6o ift eine einbringlidje plaftifd)=ard)itef= 
fonifdje Bßirtung gefiebert. Bänfe gurrt 2lusruf)en, 6anbf)aufen gum 
6pielen, Brunnen gum Xrinfen unb gum (Bdjmud mögen bie Stusftat* 
tung ber Spielmiefe oeroollftänbigen. 

Bad) ber Büdfeite ber Käufer gu liegen fämtlid)e Scfjlafräume, i^nen 
mug, mit Büdfid)t auf Stinber, Trante, Ba$tfd)id)tarbeiter tieffte (Stille 
gefidjert fein. Darum liegen fie an fdjmalen E)öfen, Buf)el)öfe genannt, 
beren Breite ber £)ausl)öl)e oon 15 Bieter entfpridjt unb fomit aus* 
reid)enb ßicf>t unb ßuft in bie fedjs f)albgefd)offe ber Büdfront bringt. 
Die ©runbflädje biefer Bul)ef)öfe foll nur als Bafenbleic^e Benoenbung 
finben, jeber Berfeljr unb jebe lännenbe Befestigung ober gar (Spiel 


52 


ber SHnber muß aus ihnen unbebingt ferngehalten rnerben. 9lur fo 
!ann ber Grunbfaß im Aufbau bes 5}aus!örpers, bie Xrennung oon 
Dageslärm unb Verfahr, oon ÜJtachifiille unb Unbemegtheit and) in ber 
Vlotfgeftaltung folgerichtig 3 m Durchführung gelangen. 

❖ 

Diefe Fonn ber Gruppierung non Haustörpern unb Freiflächen ift 
in größerem SJtoßftabe auf einen ganzen Vlod angemanbt, beffen ßage^ 
plan in 2lbb. 34 miebergegeben ift. Qux Veranf<haulid)ung gemählt ift 
ein großer Vlod oon 300 Steter ßänge unb 200 Vieler Breite, alfo oon 
60 000 Quabratmeter fjtädjenin^alt. ©eine ßängsrichtung 3 eigt oon 
korben nach ©üben unb in gleicher Dichtung erftredt fich ber größere 
Detl ber 5)ausmaffen bes Vlodes. Gemählt finb bie oorfjer befpro^enen 
100=9Mer=Häufer mit 18 ^Bohnungen unb brei Dreppenhäufern in 
jebern ©todmerl, bie in ber Dritte ber ßängsmänbe angeorbneten i)aus= 
törper enthalten bei gleicher 2ln3af)l Heinere Xppen, finb alfo !ür 3 er. 
Die oon ber Vorb — ©üb=fftichtung abioeichenben bauten mögen bie 
für jeben Vlod notmenbige Qaljl größerer SBohnungen aufnehmen, 
bie meniger an bie Himmelsrichtung gebunben finb. 3n ber Vtitte 
ift ein größerer Gemeinfchaftsbau um einen Fnnenfjof angeorbnet. Gr 
foll einen größeren SBirtfchaftsbetrieb enthalten, beffen $riid)e 2Bitmei*= 
unb 3unggefeltenheim oerforgt, ber ferner eine Vibliothef mit ßefe= 
jölen für Einher unb Grmachfene, enblich Verfammlungs= unb Vor^ 
tragsräume auch für mufifalifche unb finomatographifd)e Vorführungen 
in fich oereinigen foll. 

3ft fo bie Vlocfmitte burd) größere ^Bohnungen unb gemeim 
fchaftlid)e Anlagen befonbers betont, fo ift bagegen bei ben nörblichen 
unb füblid)en ©eiten bes Vlodes eine entgegengefeßte 2lbfid)i oer= 
folgt. $)\zx ft’oßen bie ©djmalfeiten ber Vtaffenmiethäufer an bie 
breiten Verfehrsftraßen, bie ben Vfod umfchließen mögen, ©o liegen 
nur Dreppenhäufer an ben ©traßen ber üftorb= unb ©übfeite, aber 
teine 2Bohnung menbet ihre Fünfter nach ih nen hw* Der Vaum 
3 mifchen biefen Xreppenl)äufern, bie bis 3 um flachen Dach hinauf^ 
geführt finb, merben nur burch niebrigere Vauten ausgefüllt, bie aus^ 
fdjließlid) gemerblichen 3 toeden bienen fotlten. 3 h r ^ Untergefchoffe ent= 
halten ßäben, bie Obergefchoffe möglichft nur Väume für Vüro 3 mede, 
Hanbmerfer unb bergleid)en mehr. Das gilt befonbers für bie Wo- 
fdjlüffe ber 20 Vieler breiten Vuffehöfe, in benen früheren 2lusführum 
gen entfprechenb meiteftgehenbe ©tille h^rfchen foll. Darum finb fie 
an ber ©traßenfeite mit nur 3 meigef<hoffigen Vauten gefchloffen, bereu 
geringe i>öl)e bem Vlodinnem ßicht unb ßuft 3 ufübren, bereu Vermem 
bung nur für gemerblid>e 3 roede gebacht ift, bamit nad) F e ^abenb 



mh. 34. 


33Iotf non GO 000 qm gläcfycninljalt mit SBotynbauten in ÜRoib^Siib^ 
SRitfjtung, 5ßarfl)öfen, $RuljeI}öfen nnb (öemetnfdjaftsfjaus. 


54 




5lbb. 35. Xeil ber 9Sorberanfid}t bet ^oppclftoffbauten in 3fbb. 34. 



55 


9Ibb. 36. Xetl ber 2iüefcmpcf)t ber StappelftDcftauten in 2Htö. 34 











m ben *Rul>ei)öfen and) tnirflid) oollftänbige $UU)e J>errfc^t. Die (£nbi= 
gütigen ber ^arffjöfe bagegen tonnen, ihrer größeren Breite non 
40 9 JMer enifprechenb, mit breigefchoffigen Sauten befeßt toerben oon 
etroa 10 bis 11 Stteter $)öhe, falls nicht and) t)ier eine nur 3met= 
gefdjoffige Sautoeife oorgesogen toerben follte. 

♦ 

Daburd) nun, baß an ben nörblicßen unb füblichen (Srenaftraßen 
nur niebrigere Sauten unb bie Treppenläufer ber SBohngebäube liegen, 
fann bie Sreite biefer ©traße oon ber heute üblichen Slusbeßnung oon 
22 9 Mer bis auf 10 bis 12 ÜReter Ijerabgeminbert toerben, ein 3ttaß, 
bas ben Serfehrsbebürfniffen in ben meiften Süllen oollauf genügen 
bürfte. ©o ift bei 3toei Segrensungsftraßen bes Slodes bis 3U 50 
Srosent bes Serbraucßes an ©traßenlanb unb an ©traßenbaufoften 
eingefpart. 

Deutlicher noch treten biefe ftäbtebaulicßen golgeerfcßeinungen bes 
Doppelftodhaufes bei ber Anlage jener ©traßen 3utage, bie bas Slod= 
innere auffdjließen follen. Diefe ©traßen bienen nur bem gugangs^ 
oerfehr ber Slodbetoohner 3U ihren ^Bohnungen, an Suhnoerfen 
bürften nur ein3elne Srot*, -Xftild) 5 , ^artoffel= unb S^ohlentoagen in 
Setrad)t tommen, feltener einmal ein Slöbeltoagen. Da biefe 2 Bohn= 
ftraßen, toie 2 lbb. 34 seigt, and) nur toieber bie Sdjmalfeiten ber 
Sßoljngebäube erfdjließen follen, parallele Sauten aber an ihnen fich 
nicht befinben, fo fann ihre Sreite auf 5 SDleter Ijerabgeminbert toerben, 
ein Sölaß, bas für Sußgängeroerfehr unb für bas Stusroeicßen 3toeier 
2Bagen oollauf genügt. 60 toirb in unferem ^alle bas innere eines 
gansen Slodes oon 60 000 Öuabratmeter, Siüdjenraurn bunh nur 
(2 x 5 x 200) = 2000 Quabratmeter ©traßenlanb erfdjloffen. ©eine 2ln= 
lagenfoften fönnen überbies fef>r gering fein, ba auch feine ted)nifd)e 2lus= 
führung ben Aufgaben einer 2Bof)nftraße entfpredjenb, leicht unb einfach 
fein barf. Die in gfacßfieblungen übliche Ausführung oon 2öof)nftraßen 
mirb and) l)ter mit Sicherheit genügen. 

♦ 

S a f f e n toir nod) einmal bie ©rgebnifje ber 
Slodbilbung burd) Doppelftodbäufer 3 u } a m m e n. 
©ämtlid)e höheren Sauten, bie ^leintootjnungen 
enthalten, er ft reden f i d) in 9 t 0 r b — ©üb = ?Rid)tung, 
tjaben alfo oormittags unb nachmittags © 0 n n e n = 
t i d) t. ß i d) t = unb S u f 1 3 u t r i 1 1 f t n b ferner g e to ä h r * 
lei ft et burd) bie große Sreite ber Sarfljöfe mit 
40 steter unb bie ber S u h e h ö f e mit 20 9 Jt e t e r 5 ) a u s = 


56 


ab ft an b. Die 9lanbbebauung nad) b e n breiteren 
Serfegrs ft ragen 3 U, bie b e n S l o cf u m f cg l i e g e n , ift 
nur 3 m et* ober breigefcgoffig, alfo göcgftens 12 
ÜUieter gocg an ber nörblicgen unb füblicgen Seite, 
tu ä g r e n b bie to e ft l i cg e unb ö ft l i cg e Segrensung b u r eg 
bie 15 TI et ex gogen Söognbauten felbft gebilbet 
tnirb. DteumlaufenbenStragenbraucgenalfoeine 
Sretteoonl5 9 Reternie 3 uüberfcgreiten-, toennniegt 
befonbere Serfegrsrüdjicgten maggebenb fein 
m ü f f e n , teilmeife e r f cg e int aud) b i e f e s 9# a g nodj 
r e i cg 1 1 cg l) o cg. 

treten b u r cg ben Doppel ft odbau hier [d)on to e = 
(entließe (E r f p a r n t f f e gegenüber ber beute üblichen 
Sauroeife 3 Utage, fo werben burd) bie befonbere 
Jorm ber (Erfcgliegung bes Slocfinnern n o cg to e i t 
g ö g e r e 5ßerte eingefpart. 2 lbgefegen oon ben er = 
ro ä g n t e n Sanb ft ragen to i r b ber gan 3 e 60 000 Q u a = 
bratmeter groge S l o cf mit nur 2000 Quabratmetern 
5Bognftragenfläcge aufgefcgloffen. 

3m 3nnern bes Slocfes befinben fieg nod) einige Sauten 3 ur 21uf= 
nagme grögerer 2Bognungen, bie in ben reinen Söognoierteln aueg neben 
ber übertoiegenben Sftaffe ber eigentlichen Sfteintoognungen in sureiegem 
ber $agl oorganben fein müffen. Diefe Sauten, beren ßage 3 m* 
Himmelsrichtung meniger toiegtig ift, finb mit nur brei normalen ©e= 
fegoffen ober 3 toei Doppelftocfgefcgoffen ausgeftattet, alfo bei einer 
grögten Höge oon 11 bis 12 steter toeit niebriger als bie eigentlichen 
Slleintoognungsbauten. i^ierburc^ toirb bie ßuftbetoegung unb ber 
ßicgteinfall innerhalb bes Slodes begünftigt. 

Son gleicher Höge ift bie mittlere ©ebäubeanlage, bie ben 2Birt^ 
fegaftsbetrieb unb bie gemeinfchaftlichen (Einrichtungen aufnegmen fall. 
Diefe einseine Saugruppe in ber Sttitte foll für bie übrigen Sauten 30 = 
fammenfaffenben Holt unb ein aregiteftonifeges ©egenfpiel bebeuten. 
Ueber igre befonberen Aufgaben mirb noeg su reben fein. Sie toerben 
ergön 3 t burd) bie ausgebegnten ©rünfläegen, ^Sarfgöfe unb Sugegofe 
im 3nnern bes Slods. DerganseSlodoonöO 000 qm i ft 3 u 
3 ro e i $ ü n f t e l f ei n e r % l ä cg e b e b a u t , fobagbie oer = 
bleibenbeSreifläcgefegrgrogtft. Dennocg entgalt 
berSlodetma 1000 5öognungenunb eineSetoogner = 
f cg a f t 0 0 n 6000 Sttenfcgen, bie fömtlicg in SBognungen 
oon minbeftens brei Sioimern unb ® ü cg e unter* 
gebracht finb. Diefes (Ergebnis mag ertoeifen bag 
aueg bei ber im 3 nnern ber © r 0 g ft a b t unumgäng* 
liegen Häufung oon DJtenfcgen f i cg Sßognungsformen 


fdjaffen l a f f e n , bie in mirtfchaftlicher $) i n f i ch t bcn 
heutigen gleichwertig erfch einen, in jeber onbcren 
s Bejtel)ung fte 3 u übertreffen ne r mögen. 

♦ 

Sact)gärteru 

Sod) mag einiges über bie Dächer 3 U fagen fein. Schon mar er= 
mahnt, baß ein eigener Sobenraum für jebe Sßohnung nicht notmenbig 
fei, ba bie SBofynungen je^t über ausreicfyenbe Sufefläche unb genügenben 
21 bftellraum oerfügen. 2luf bem Dach brauchen alfo nur Trodenräume 
für 2 öäfd)e $lafe finben, in einer 3lnaat)I^ bie hoppelt fo groß ift, mie 
bie ber 2Bafd)füchen ber ©todmerfe, alfo für bas 100=Steter=,£)aus etma 
12 ©tüd, bie gufammen mit bem Austritt ber Treppenläufer etma 250 
üuabratmeter Sufefläche benötigen merben. Die übrigen 800 
Quabratmeter ber Dachfläche ftetjen noch 3 ur freien Verfügung. Da 
oerfchiebenartige Sermenbung möglich ift, fo finb ©runbriffe nicht 
beigegeben. 

Dachgärtenanlagen finb nidjis Seues. Siel befprodjen unb menig 
angemanbt mürben fie fd)on oor bem Kriege. 3n neuer Qüt fyat fid> 
ein 2 Ir 3 t, Dr. med. kaxi Hamburger, feljr um ben Dachgarten gemüht. 
(Einige Stitteilungen non ihm erfcheinen oor allem in mirtfchaftlicher 
i)infid)t fo belangreich, baft ihre mefent(id)ften fünfte Ijier folgen mögen. 
„Soaiale Einrichtungen fielen unb fallen mit bem ^oftenpunft. s 2luf 
meine Seranlaffung haben 3 mei praftifche Saumeifter unabhängig 
noneinanber ben ^reis für Dachgärten berechnet; beibe finb 3 U beim 
f eiben Ergebnis gefommen: Die 21rbeitermol)nung mürbe monatlich 
nur um ben minimalen Setrag non 1 , — bis 1,20 Start fteigen, bas 
Problem fei alfo ebenfo oerlocfenb für ben Bieter mie für ben Ser= 
mieier. 3n ben Sreis ift alles einbegriffen: Treppenhaus bis aufs 
Dach, unburthläffige Staffiobede, h^h^ geführte ©d)ornfieine, fixere 
Umwehrung, Safenanlage, Kieswege, gelt ufm. Die Sentabilitäts= 
rechnung gilt für ein fogenanntes Sormal= Seihengnmbftüd non runb 
65 Quabratruten (18 Steter breit, 51,3 Steter tief, gleich 923,4 üuabrat^ 
meter), mit Sorberhaus, Ouergebäube unb Seitenflügel, bei einem 
Sreis ber Duabratrute 3 U 1300 Start, 44 Stietparteien unb Ser 3 infung 
3 U 7,3 n. S).; ohne Dachgarten toftet es 261 000 Start, mit Dach^ 
garten 273 400 Start. 21uf jebe Familie entfällt ein Saum etma non 
ber breifachen ©röge eines Salfons (9 üuabratmeter), gro§ genug für 
Tifch, San! unb ©anbhaufen; nielleicht empfiehlt es fid), bie ©anb= 
häufen 3 ufammen 3 ulegen. Saupoli 3 eilid)e Sebenfen ftehen in feiner 
3Beife entgegen. Stelmehr hot ber $oli 3 eipräfibent non Serlin nach 
eingehenber Prüfung meiner Seröffentlichungen alle ihm unterftellten 
Sauämter angemiefen, bie Anlage non Dachgärten tunlichft 3 U er= 


58 


leichtern unb biefem ^mecte Difpensgefud)« übergib bei äuläffigen 
Höhe für enifpredjenbe Aufbauten befürworten unb btefe pöne bei 
ben Bemäntlungen mit ben Unternehmern tunlichff 3 U förbern unb 
gegebenenfalls ansuregen." Soweit bie Ausführungen Dr. Hamburgers 
in Br. 33 ber 2öoche (Auguft 1918). 

Sn ber hier nähererörterten Blocfanlage finb biefc wertoollen Aus= 
führungen nicht fo autreffenb, wie für bie grojje Blaffe ber jefet üblichen 
Berliner Btietf)äufer. Denn hier finb ja fo grofte unb günftige Spieb 
flächen im freien bereits gefiebert, wie fie ber Dachgarten in feinem 
g-afie bieten fann. Dennoch finb bie roirtfchaftlichen geftfteüungen non 
Bebeutung, ba fie bei fehr geringen Unfoften bie Blutung ber Dad)= 
fläche für anbere mertoolle ^meefe möglich erfcheinen faffen: für bie 
SHeintier 3 ud)t. Beerben bie 800 öuabratmeter ber Dachfläche, bie 
übrig maren, unter bie 36 Wohnungen bes erften unb aweiten Stocfes 
aufgeteilt, fo bleibt abaüglich eines breiten Btittel= unb Seitenweges für 
jeben Btieter eine Bufefläche oon etwa 16 Quabratmeter, ein Baum, ber 
ausreichenb ift, um Hühner unb Kaninchen für ben ^amilienbebarf auf= 
Stehen 3 U fönnen. 3Bie ungemein mertooll bie^leintiersucht für meitefte 
Bolfsfreife gemorben ift, mirb niemanbem oerborgen fein, ber bie 
mirtfchaftliche golgeerfcfjeinung ber ^riegsnot beobachtet f>at. Unb tner 
hätte bas 3 U feinem Beile unb in feinem Greife nicht getan. Btöglichfeit 
unb Soften ber ^leifchoerforgung merben trot} 3 U ermartenber Befferung 
nie mieber auf ben griebensftanb suriieffehren. Befonbers bie erften 
Sahre nach bem Kriege merben fn er meitgehenbe ©igenoerforgung 
biingenb empfehlen. Das flache Dach mit feiner guten Belichtung unb 
bem frtfehen ßuftsug ift für folche Qmecfe ficherfich meit beffer geeignet 
als ein enger, bunfler Hof, ber noch manch anberen ^meefen bienen muh- 
Am beften mürben bie Ställe unb ein Aufenthalt* unb gutterraum 
gleich Mt mit eingebaut, unb smar über bem ASohngang bes oberften 
©efchoffes nach bem ©artenhof 3 U, um bem Dachgarten eine flargefügie 
©eftalt 3 u geben. Die ßoggia an ber ^Bohnung unb ber Anteil an 
Dachgarten mürbe bem Dbergefchofjmieter ungefähr ebenfooiel Auf* 
enthalt unb Butjfläche im freien bieten, mie bem Bemohner bes ©rb= 
gefchoffes, ber feinen ©artenplat 3 oor ber Bür hot. So märe jebem 
geholfen, unb alle mären ßufrieben. 

♦ 

SBohnungecrgänjungeit. 

Die Bermenbung ber Dachgärten, in welcher gform fie auch ge= 
fchehen mag, ift bereits 3 U ben SBohnungsergänjungeit ju rechnen, h. h- 
3 U Anlagen, bie geeignet finb, bie rief fachen Unsufängltchfeifen Heiner 


59 


Bohnungen nach 9Jtöglichfeit 3 U beheben, unb ihre oft mit Arbeiten unb 
Sorgen iiberbürbeten 58emohner 3 U entlaften. 

3 u biefen 5 Bohnungsergän 3 ungen gehören in erftcr ßinie bie 
bereits ermähnten Anlagen im Ejaufe felbft: Die 2öaf<hHichen unb 
S3abeeinrid)tungen auf jebem Siocfmerfe, ber WüU\d)ad)t, ber hohlem 
au f3 u 9/ bie F a h l ’bahn im Heller, ferner bie Dachgärten mie auch bie 
(Bartenplä^e oor ben Erbgefchohmohnungen. Jn meiterem Sinne 
miiffen 3 U ben Söohnungsergänsungen gerechnet merben bie Wafern 
bleidjen in ben 9tuhehöfen ber Doppelftocfblöcfe, oor allem aber bie 
großen Spielflächen in ben Harthofen, bie ben Heineren unb größeren 
Ambern ein 00 m Stragenoeriehr ungefährbetes Summein unb Spielen 
in freier ßuft . ermöglichen. Jn unferem 58Iocf in 2lbb. 34 finb biefe 
Spielflächen insgefamt 4 borgen groh, bie übrigen Freiflächen nicht 
gerechnet, eine Ftächenausbehnung, bie auch für bie lebhaften Beme= 
gungsfpiele herantoachfenber JHnber sureichenben 9taum bietet. 

3 u ben 2 Bohnungsergän 3 ungen finb roeiter 3 U rechnen 2 lrbeits= 
räume für gemerbliche Qmedt unb 3 ur Ausübung eines 5)anbmerfes, 
bie — 3 mar oon ber SBohnung getrennt, bennoch in leicht erreichbarer 
9*äi)e — in jeber größeren 33locfanlage als einer ©emeinfchaft oon 
mehreren taufenb 9)ienfchen oerfchiebenfter Berufe unumgänglich not= 
toenbig finb. Für biefen Ütoumbebarf ift 23orforge getroffen, in ben 
3 mei= unb breigefchoffigen bauten bes nörblichen unb {üblichen 23locH 
ranbes, bie ßäben für Säcfer, Schlächter, ÜMchhänbler, Slolonialmaren, 
Schufter, Schneiber, auch für JRafierftuben unb bergleichen enthalten 
follen. Jn ihren Dbergefchoffen mögen ^Büroräume Unterfunft finben, 
ebenfo mie bie He inen gemerblicfjen Anlagen ber ^anbmerfer, bie burch 
geeignete (Einrichtung unb burch bie Zuführung eleftrifcher ®raft manche 
Erleichterung erfahren tonnten. 

♦ 

Das grof$e ^entralgebäube im 23locHnnern 3 ule^t foll alle jene 
Einrichtungen umfaffen, bie in roeiterem Sinne 3 U ben notmenbigen 
5 öohnungsergän 3 ungen minberbemittelter ^öeoölferungsfreife 3 U 
rechnen finb. Jn gerabe 3 tt oorbilblicher 3öeife finb biefe 5Bohnungs= 
ergänsungen oon ber 2lfiienbaugefeUfd)aft für Heine Mahnungen in 
Franffurt a. 93t. mohl 3 um erften 93tale in Deutfchlanb eingerichtet 
morben. Der 25. Jahresbericht biefes Vereines aus bem Jahre 1915 
äußert fich ausführlich über 2 Bohlfahrtseinrid)tungen unb 9Bohnungs= 
ergän 3 ungen, fo bah an biefer Stelle nur bie mefentlichften fünfte her= 
ausgehoben feien. Der Slleinmohnungsoerein Frantfurt geht in feiner 
Arbeit oon ber Erfenntnis aus, bah es mit ber 5)erftetlung oon 
Wohnungen allein nicht getan ift, bah biefe Söohnung in eine E)eim= 
ftätte umgemanbelt merben muh, unb bah eine folthe 5)eimftätte and) 
bem Unbemittelten oerfitgbar fein muh- 


80 


„Sin ^riüöimonn ober eine auf gejchäftlid)er Vafis gcgrünbete 
Vaugefellfchaft mag fi<h begnügen, menn bas in Raufern unb 2 Bohnun= 
gen geftedte ©elb rentabel gemacht ift. Sine milbe Stiftung ober 
Hrmenanftalt erfüllt ihren menn fie bie Mahnungen, bte fie baut, 
unter ^ßreis ^ergibt, ben Bietern einen Seil ber Miete fd)enft. Sine 
gemeinnüßige ©efellfchaft mufe mehr tun. Die paar Dußenb ober hum 
bert Vsohnungen, bie fie baut, rnollen im Vergleich 3 u ber ©efamtheit 
bes Sßohnungsbebürfniffes einer großen Stabt menig fagen, morauf 
es anfommt ift, baß fie oorbilblid) mirt't, baß fie in engem Nahmen unb 
mit fleinen Mitteln bie Verfuge macht, auf ©runb bereu fpäter, menn 
erft bas öffentliche ©emiffen gemedt ift, bie öffentliche Vermattung — 
bie großen Kranfenfaffen, Verufsgenoffenfchaften, 3 m?al!bitätsoerfid)e- 
rungen unb bte ©entetnben, Kommunaioerbänbe unb ber Staat felbft 
fleh meitere Hufgaben ftellen fönnen." 

3n Verfolg biefes Programms hat bie Hftienbaugefelljchaft Ver- 
träge gefd)loffen mit bem Verein für Kleingartenbau, mit bem i)aus= 
pflegeoerein, bem Volfsbilbungsheim, bem Verein für ßefehallen unb 
anberen Drganifationen. Die $ranffurter Sßohnblöde enthalten alle 
biefe Sinrichtungen unb nod) über biefes Programm h^ausgehenbe 
Hnlagen. Da finb Vereinshäufer in jeber größeren Vlodanlage, Knaben- 
unb Mäbchenhorte, 2 öitmerl)eime ebenfo toie feinte für alleinftehenbe 
Hrbeiterinnen unb oieles attbere mehr, mas freubigfte Dtacheiferung 
oerbient. Der fjauspflegeoerein, ber gamilien, in benen Kranfheit 
unb anbere Sorgen herrfdjen, £)auspflegerinnen 3U billigen Säßen 
3m* Verfügung ftellt, Sinrichtungen 311m gemeinfatnen Ve3uge oon 
Sohlen unb Kartoffeln für bie Mieter feien nod) ermähnt. © r 0 ß e r 
ÜRachbrud muß auf bas Srgebnis ber langjährigen 
Srfal) rungen bes Vereins gelegt werben, baß 
biefe n VSohnungsergänsungen unb ben V e r e i n s = 
häufern eine gefellfd)aftsbilbenbe Kraft inne = 
10 0 h n t. 

Denn menn beifpielsmeife ber Vlod in Hbb. 35 etma 6000 Men= 
fchen beherbergt, fo ift bas bie Veoölferung einer fleinen Stabt. Sie 
hat bereu Vebürfniffe ebenfo mie ihre gemeinfchaftlichen Sntereffen. llnb 
biefen Hnforberungen foll bie mittlere Vauanlage unferes Vlodes bienen. 

Schon früher mar ermähnt, baß biefes ©emeinfdjaftshaus einen 
größeren SVirtfchatfsbetrieb aufnel)men müßte, ber einerseits bie Ver= 
fammlungs= unb ©efelifchaftsräume oerforgt, anbererfeits für bie 
VMtmerf)eime, für bie Kinberhorte, für bie feinte ber alleinftehenben 
meibiithen V^fonen ben Kodjbetrieb unb bie 9 tahrungsoerforgung über= 
nehmen müßte. Diefe Sinselanlagen fönnten in ben gTügeln bes Vaues 
getrennt untergebracht merben, ber Kinberhort mürbe mohl günftig mit 
einem größeren Seil bes Dachgartens in Verbtnbung gebracht, in bem 


61 


bie kleinen oötüg ungeftört mb unter %lm\\d)t ber ^Pflegerinnen ©e= 
iegenheit 3U Sd)taf unb Spiet in frifdjer ßuft finben fönnien. Der 
Anlage einer Büberei mit Sefeföten für ©rmachfene mie für 5 rinber, 
eines größeren Saales für SSorträge, Sftufif unb finematographifd)e 
Vorführungen mürbe pon früher gebadjt. 

SBünfchensmert erfd?eint sutefet in biefem i)aufe eine grofce 3entrate 
5}ei3anlage, bie als $ernhei3ung ben gan3en !8Iocf oerforgie unb in 
ben einseinen ^Bohnungen nur eine ^odjgasanlage nötig machte. Die 
2ßirtfd)afttid)feit einer folgen Anlage ift faum 3U besmeifetn, mobei ber 
üftutpoert in jeber 5 )infid)t, befonbers burch bie meitere ©ntlaftung ber 
Bieter, außerorbenttid) !)od) 3U oeranfdjlagen müre. 

©ine Vtocfanlage in bie [er 3 0 r m fönnte b a 3 u 
bienen, nid)t nur ihren Vemohnern nun m i r f t i <h e 
5 ) e im ft ä i t e n für 9 Jt e n f <h e n 3U bieten, fonbern bie 
llnenbtichfeit ber großen Stabt in 0 i e t e (£ i n 3 e I = 
teile suserlegen, bie burd) gemeinfame Arbeit unb 
burd) gemeinfame Sntereffen in fid) 3 u f a m m e n = 
geführt unb gebunben mürben. i ch t nur in bei 
©in3elmof)nung, fonbern in ber (Be) amtform non 
58 I 0 cf a n t a g e n , bie alten 5 ft 0 t m e n b i g f e i t e n eines 
organifdjen (Bemeinfdjafistebens 5 fted)nung t r a = 
gen, fönnte fo bas 3 i e l erreicht merben, bas bie 
o i e t f a d) e n 58 emüf)ungen auf biefem fo }ei)r ernften 
fo3iaten © e b i e t e testen ©nbes alte ge mein)' am an = 
ftreben: bie SBiebergeburt bes 5 )eimatempfinbens 
in ben Söofjnftäiten ber großen Stabt. 

❖ 

3ur kiinftteri|ct)en ©eftaltung ber ©rofeftabt. 

Die äußere ©eftattung eines folgen ©rogftabtbtocfes fot Ite oer= 
fud)en, ben gleichen Rieten Rechnung 3U tragen, bie ben iedjnifdjen 
Aufbau unb bie Organifation ber menfdjtidjen ©emeinfchaft beftimmt 
haben. Das grof3ftäbtifd)e Strafjenbitb ber ©egenmart ift befonbers 
in ben Slleinmohnungsbesirfen oon einer abfd)redenben S)äf3tid)feit unb 
einer oft gerabesu tät)menben Draurigfeit. ©leid) als bemühten fid) 
bie formen bes Steines, bie Droftlofigfeit bes Dafeins im 5 )ausinnern 
nad) auften 31t recht beuttid) heroortreten 31t taffen. Der befonbere 
put}, ben fid) jebes 9 ttiett)ausgrunbftücf sulegen 3U müffen glaubt, um 
fid) oon feinem 5ftad)bar 3U unterfdjeiben, 3iet)t biefe Dragif ins ©rotesfe. 
5 tud) I)ter mufj oötlige 5 Banbtung eintreten, menn bie im erften Tn l 
ber Arbeit aufgefteüten 3iete annähernb erreicht merben fotlen. 


62 


Sßefentlichftes auf biefem Sonbergebiet ber ©roßftabtarchiieftur 
ift bereits in ben oft ermähnten 2Berfen oon &arl Scßeffler unb SBalter 
Shirt Sehrenbt niebergelegt. So fönnen fid) biefe Ausführungen auf 
Weniges befchränfen. Daß es eine ber bebeutenbften 3 ufunftsaufgaben 
ber ardjitettonifdjen ©eftaltung ber ©roßftabt fein muß, nicht mehr bas 
©inaelhaus, fonbern ben ganzen Slod, ganje Straßen3üge, gan3e 2 öohn= 
oiertel nach einer gro^ügigen fünftlerifchen Abficht 3U formen, fei hier 
mit erneutem Sachbrud betont, ©s ift finnlos, bauten, bie alle bas 
©leiche mollen unb es mit gleichen Mitteln 3U erreichen fuchen, in ihrer 
äußeren gönn möglichft mechfelooll 3U behanbeln; ber Sktnfch, ben 
Machbar burch gormenlärm unb aufbringlidjes Schmudmerf 3U über= 
trumpfen, barf in gufunft fein gelb 3ur ^Betätigung mehr finben. Das 
allmähliche Durchbringen ber Dgpenbifbung auch im SUetetagenbau 
ber ©roßftabt, bas ja auch öas Dappelftodhaus 3um 3 iele tyat, mirb in 
3unehmenber 2 Beife bahinführen, Sföde unb Straßen als große fünft* 
lerifc^e ©inheiten 3U behanbeln, burch !Kht)th)mu&, ßinienführung unb 
Stobeflierung einbrudsoolle ftabtbauliche 2Birfungen an3uftreben. Sod) 
ein 2 Bort oon $arl Scßeffler, beffen Ausführungen immer erneute Se= 
achtung oerbtenen, fei hier mieberholt: 

,,©s 3eigt fich oor allem, baß bie Aufgabe bes Säethausard)iteften 
nicht barin befiehl, fd)öne ©in3elgebäube, bie fich bem Auge uornehm 
aus ben langen Leihen ber Stiethausfaffaben abfonbern, 3U errichten, 
fonbern otelmehr barin — nactt unb bürr gejagt — bemüht Staffen= 
quartiere 3U fchaffen. sticht bas Sefonbere ftefjt in grage, fonbern bas 
Xppifche, nicht bas ©£3eptioneüe, fonbern bas 2 lllgemeingültige. Unb 
biefes eben fornmt 3uftanbe, toenn man ben fich inftinftio 3eigenben 
SMllen 3ur Uniformität fonfequent 3U ©nbe benft." 

Aus ber Saugeftnnung alter 3 eit lägt fid) hier manches lernen, 
©rinnert fei an bas Sotsbamer 2Bof)nmertel, an ben fünftlerifchen ©e= 
famtplan ber Stabt Karlsruhe, an Sarifer Straßen3Üge oon einer mun= 
berbaren unb einbringlidjen, in großen gleichmäßigen Shpthmen flin= 
genben gormenfprad)e. Sehrreiche Setfpiefe aus neuer 3 eit finben 
mir in manchen blöden, bie einheitlich burd) eine gemeinnützige Sa tu 
genoffenfchaft ober einen ein3elnen Unternehmer errichtet mürben. Stag 
hier bie Ard)iteftur ber ©umbauten auch minbermertig fein, mie aud) 
bas ©an3e fünftlerifch nnbebeutenb, }o mirb hoch oieles ausgeglichen 
burd) ben großen fRhpthmus ftets fich mieberholenber Slotioe, burd) 
bie ©leichförmigfeit ber genfteraufteilung, ber ©rferoorfprünge mie 
burch öte 3Ufammenf)olenben ©eften ber bui*d)laufenben ©efimfe. 

♦ 

©ins oor allem erfcheint münfd)ensmert. Die ©roßftabtarchiteftur 
ber ©egenmart begnügt fid) jumeift mit ©cmbglieberung unb ift in 


63 


biefer Begren 3 tf)eii mit ihren 2 lusbrucfsmöglichfeiien halb 3 U ©nbe. 
©ine neue burcßgreifenbe f u b i f <h e 21 u f f a f f u n g ber 
B a u f u n ft in ber gormenfpradje ber großen Stabte 
tonnte 3 u weit ft örteren unb reiferen Bt ö g I i ch * 
feiten fiinftlerifc^er Baugeftaltung flirren. #ier 3 U 
tritt ein weiterer Umftanb oon größter Tragweite, ©egenüber bem ein* 
förmigen ©rau ber ©ro| 3 ftabt=Steinmüften unferer Xage müßte eine neue 
ftarf farbige 21uffaffung bes Baugefcßehens plaßgreifen: fie tonnte bie 
bpnamifdje Bewegtheit einer bewußt raumbilbenben 2lr<hiteftur noch 
weit lebenbiget; unb ausbrucfsooller geftalten. Bielleicht, baß bie 3ttögltd)= 
feit, bie 9Bof)nbauten 3 um Xeil abfeits oorn Gärm unb Staub ber Ber= 
fehrsftraßen an ftille, grüne ^Parff)öfe 3 U oerlegen, h^Beranlaffung gibt 
3 U farbiger Beljanblung ber Baumaffen unb Bauglieber, bie in bie 
Sßoijnblöcfe eine ftarfe Gebenbigteit, Weiterleit unb im ljarmomfdjen 
gufammenflang ber Bauteile, ber Dachgärten, ^erraffen, Goggien, ber 
Spielmiefen, Bäume, Blumen unb Brunnen ben 2lusbrucf einer neuen 
Schönheit in bie 2öot)nftätten ber ©roßftabtmenfchen ^ineintragen 
fönnte. 

Bfögen am Schluffe biefer Arbeit einige Säße $laß finben, bie 
für bie meftbeutfche $unft 3 eitfchrift „Die Bheinlanbe" getrieben mürben 
(Oftober 1918) unb geeignet erfd)einen, Aufgaben unb 2öirfungsmög* 
Hd)feiten einer neuen Baufunft in ihrer befonberen Bebeutung für bie 
©eftaltung ber gufunft flar 3 uftellen. 

♦ 

21 lies tün ft lerifche Xun g e f cf) i e h t abfeits oom 
Ablauf b e 5 täglichen Gebens: bie Silber märten 
in ben © a l e r i e n , bie Did)tfunft in ben B ü d) e r n , bie 
3Jtufit fd)töft in ben Snftrumenten. 2Ille biefe 
2Iusbrucfsformen ber $ u n ft müffen befonbers 
au fgefudjt me r ben, it)r Geben g e f d) i e h t in einem 
21 b ft a n b 5 U unferem Dafein, ber U)re bauernbe 
unb einbringüdje Sßirtungsfähigteit beßinbert. 
2tnbers bie Bautun ft. 2ö o mir and) fein mögen, mo 
mir gehen unb fielen, effen, arbeiten, fdjlafen, 
mo mir r u h e ri unb märten, reifen unb manbern, 
überall i ft geformter Baum um uns. Durch bie 
3mecfbeftimmung ber Bauförper erhält bie Bau- 
tun ft eine 2Birfungsföt)igfeit, bie jebe anbere 
2Rö glich feit tün ft lerifdjen 2lusbructs unermeßlich 
übertrifft. 2B i r brauchen bie B i l b e r nicht a u f 3 u s 
f u d) e n , bie Bücher nicht auf 3 ufchlagen, bie 3nftru- 


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mente nicfyt 3 u berühren, aber mir fönnen n i r g e n b s 
b e m geformten !Raum entfliehen. 

3 n biefer U n e n t r i n n b a r t e i t , in biefer All* 
gegenmärtigf eit her a r cß i t e f t o n i f cß e n gorm liegt 
bie unermeßliche üft a cß t ihrer Sßirtungsfäßigfeit 
begrünbet, 3 u g I e i d) aber fürben raumgeftaltenben 
Zünftler bas Gemußt fein 00m Ausmaß ber Ber* 
ontmortung, bie er mit feinem 25 e r f e übernimmt. 
Das DJtöbel, bas 3 i™ me r, & a s # a u s , bie Straße, ber 
55 laß, bie Stabt, bas alles ift areßiteftonifeße 
gorm, an ber mir n i d) t unberührt oorübergeßen 
fönnen,bieimmerunbüberallburcßbie(Emanation 
ihres eigenen e f e n $ and) uns bauernb manbelt 
unb ge ft alte t. 

Die A r cß i t e 1 1 u r ift eine u f i f , bie bie 3 e * * 

übermunben hat, bie 3 c i 1 1 0 s geworben ift. Die 
Attorbe'ber Körper, ihre h ^ h nt e n / ihre D i f f 0 * 
nanjen unb Harmonien finb immer um uns. Sie 
finb bie Däne eines emigen ßiebes, bas uns unauf = 
ß ö r l i cß begleitet. 3 n ihnen finben mir alles, mas 
unfere 5 ) e r 3 e n bemegt: (Bröße unb Stille, G e i b e n * 
f cß a f t unb i) e i t e r t e i t , bas G ä cß e l n bes Scßmerjes 
unb ber greube, bie Qual, bie Dl 0 t unb bie leßten 
Belüftungen ber Sinne unb bes ©ei ft es. 

Die Bereicherung, bie bas Geben burd) bie 
ftumme 501 u f i f ber Körper erfahren tonnte, ift bei* 
naheunfaßbar. 3ubenfen,baßbie$unftnicßtmehr 
eine Angelegenheit e i n 3 e l n e r Stunben unb b e f 0 n * 
bererBebingungen ift, 3U benfen, baß fie unfer 
Geben, unaufhörlich burdßbringen unb ge ft alten 
tön nte,baßbertiefere Sinn, bieSeßnfucßtunb ber 
2öilleunferesDafeins3?ormen anneßmen tonnte, 
bieunsimmerbegleitenunbniemalsoerlaffen,bas 
alles tonnte unfere Seele mit e i n e r t i e f i n n i g e n 
neuen greube 3um Geben erfüllen. Denn nun miffen 
mir enblid), baß mir niemals meßr einfam fein 
m erben. 

25 e n n m i r f 0 alle unfere Sage unb Stunben mit 
bem leucßtenben 25 i b e r f cß e i n ber & u n ft 3U erfüllen 
oermögen, fomerbenmir mit beglüefter Seele bie 
unenblicße gülle oon Scßönßeit erfaffen, bie bie 
Arcßitettur ber ringenben Seßnfucßt unfere r 
inner ft enüftenfcßlicßfeitoffeHbart. Ausbertiefften 


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Qual, aus b e m ungeheuren Gingen b e r bunfelften 
©tunben bes ÜRenfcherctums glüht uns bie borgen* 
röte einer neuen SB eit entgegen im nerheifjenben 
ßicfyteeinerneuen&unft. 

3m Nahmen biefer großen 3bee harrt auch ber 
2$aufunft bie große Aufgabe, gu ihrem, Z eil mit* 
3ubauen an einem neuen (Blauben unb an einer 
neuen ©chönheit. 




























Uüi'ietn & $9 
Berlin SW68